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Moers
Neue Register im alten Mittelschiff

Moers: Neue Register im alten Mittelschiff
Machen sich stark für den Orgelbau: (v.l.): Karl Schmitz, Dompropst Klaus Wittke, Heidi Schmitz und Matthias Zangerle. FOTO: Fischer Armin
Moers. Der Xantener Dom soll wieder eine Schwalbennestorgel erhalten. Ein eigens gegründeter Bauverein schätzt die Kosten auf eine Million Euro. Von Heinz Kühnen

Da hat sich die Propsteigemeinde einiges vorgenommen: Im Viktor-Dom soll die Orgel endlich wieder auf ihren angestammten Platz im Lichtraum über der Sakramentskapelle zurückkehren. Und zwar eine neue, auf der Orgelliteratur aus allen wesentlichen Epochen gespielt werden kann, wie Dom-Organist Matthias Zangerle gestern hervorhob.

Die alte, das hatte der Kantor und Orgelsachverständige des Bistums Münster gegenüber unserer Redaktion im Vorfeld der neuen Konzertreihe betont, genügt diesen Ansprüchen in keiner Weise und ist zudem so überholungsbedürftig, dass die Kirchengemeinde viel zu viel Geld in die Restaurierung stecken müsste. Allerdings muss sie sich nun für ihre Pläne strecken. Dompropst Klaus Wittke schätzt die Kosten für die neue Schwalbennestorgel auf "sicherlich eine Million Euro".

Für die Finanzierung hat sich nun ein Orgelbauverein gegründet, dessen Ziel es ist, den Traum in den nächsten zehn Jahren zu verwirklichen, wie es der Vereinsvorsitzende und Kirchenvorstandsmitglied Karl Schmitz formulierte. Dafür werden er und seine Leitungstruppe um die Domchorsängerin Heidi Schmitz und ad-sanctos-Chor-Mitglied Michael Lammers kräftig die Werbetrommel rühren müssen. Zuschüsse vom Bistum gibt es für Orgelbauten nicht, also muss bei Stiftungen, Unternehmen, Bund, Land, EU und Privatpersonen heftig geworben werden.

Ein Bild aus alten Zeiten zeigt, wie die Orgel früher oberhalb der Sakramentskapelle aussah. FOTO: fischer

In seiner Gemeinde jedenfalls, so hat Dompropst Wittke bereits vor der offiziellen Vorstellung der Pläne nach Sonntagsmessen und am Mittwoch, 14. Januar (19.30 Uhr, Kapitelsaal), scheine die Zustimmung schon bei den Überlegungen groß gewesen zu sein: "Und wenn wir jetzt nicht starten, wann dann?" so Wittke. "Ich fürchte, in 25 Jahren ist es zu spät."

Dass die Akzeptanz tatsächlich groß sein kann, zeigt die Wertschätzung, die die gotische Stiftskirche als bekanntes Gotteshaus und Denkmal überregional erfährt. Die Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte Orgel jedenfalls könne da aktuell nicht mithalten - schon allein wegen des Standorts in der eigentlich beeindruckenden romanischen Chorhalle vor dem großen Westfenster von Anton Wendling und dem großen Eingangsportal, sagte Domkantor Zangerle. Dass zudem von hier aus eine angemessene Beschallung des ganzen Kirchraums eigentlich unmöglich ist, sei unumstritten.

Also soll es zurückgehen an jenen Platz an der nördlichen Seite des Mittelschiffs, wo die Xantener Domorgeln seit ihrer erstmaligen Erwähnung im Jahr 1536 erklangen. Heute ist dort im Obergaden über der früheren Heilig-Geist-Kapelle hinter einer Tür ein großer Raum verborgen, in den das Instrument "eingebaut" werden kann. Der in den Kirchraum hineinragende Vorraum soll dann über Tragseile gesichert werden - wie in Köln zu erleben, sagt Zangerle. "Dieser alte Standort ist unter akustischen Gesichtspunkten ideal", so der Kirchenmusiker weiter. Von dort aus könne sich der Klang im ganzen Raum hervorragend entfalten, so dass eine Orgel mittlerer Größe ausreichend sein wird. Will heißen: 100 Register wie zum Beispiel in Kevelaer müssten gar nicht her. 40 reichten völlig aus. Bei einem Registerpreis von 25.000 bis 28.000 Euro macht das samt aller Zusatzarbeiten einen siebenstelligen Preis aus, wobei Zangerle von Vollholz, Handarbeit und selbstgezogenem Pfeifenmaterial träumt und von durchschnittlich 14.000 bis 15.000 Arbeitsstunden sowie einer Lieferzeit von drei bis fünf Jahren erzählt. Immer vorausgesetzt, das nötige Geld kommt zusammen. Dafür wirbt auch Weihbischof Rolf Lohmann. Dieser hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen. Auf eine kleine Orgel für den Einsatz von Chören und Instrumentalisten im hinteren Kirchenteil wird Zangerle nach diesen Plänen übrigens nicht verzichten müssen. Sie alle sollen auf erhöhten portablen Podesten Platz finden. Nach den Konzerten wäre der Blick wieder frei.

Quelle: RP
 
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