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Unsere Woche
Neue Töne in der Flüchtlingsfrage

Moers. Der Rückblick auf die Woche heute ausnahmsweise am Montag: Zum Glück hat Moers keine Probleme mit Rechtsradikalen. Das scheinen manche zu bedauern.

Den ersten großen Ansturm von Flüchtlingen und Armuts-Auswanderern hat Moers überstanden. Die beiden Landesnotunterkünfte stehen weitgehend leer. Die Einrichtung in der Kapellener Achterrathsfeldschule will das Land zum 1. April der Stadt übergeben.

Vielleicht hat die vorübergehende Entspannung dazu beigetragen, dass jetzt in der Frage, wie wir mit den Neuankömmlingen und unseren Reaktionen darauf umgehen wollen, in dieser Woche neue Töne zu hören waren. Zu einem schrillen Missklang ließ sich dabei der ansonsten eher für die Sparte Feinsinn zuständige Mitarbeiter der SPD-Fraktion und ehemalige Opern-Regisseur, Konrad Göke, verleiten. Er unterstellte besorgten Meerbecker Bürgern, sie würden nach einem Drehbuch der Neo-Nazi-Szene operieren. Dass er dabei sowohl dem Moerser Bürgermeister als auch seinen eigenen Parteifreunden implizit bescheinigte, sie setzten sich mit Gestalten aus dem braunen Sumpf an einen Tisch, nahm er billigend in Kauf. Dankenswerterweise distanzierte sich der SPD-Vorsitzende Mark Rosendahl umgehend von diesem Vorpreschen. Ernster zu nehmen sind die kritischen Töne, die Teilnehmer der vierten Flüchtlingskonferenz in Kapellen anschlugen. Die Vorwürfe in Richtung Bunter Tisch weisen auf ein reales Problem Die Entscheidung des Moerser Rates, dem Bunten Tisch vor einem Jahr die Koordinierung der Flüchtlingsarbeit zu übertragen, war im Nachhinein in doppelter Hinsicht falsch. Zum einen war es vor dem Hintergrund der traditionellen Konkurrenz der in Moers operierenden Wohlfahrtsverbände prekär, dem kleinsten und jüngsten Player die Koordinierungsaufgabe für die gesamte Flüchtlingsarbeit zu übertragen, zumal die mit dem Job beauftragte Person weiterhin mit einer halben Stelle für den Bunten Tisch arbeitet.

Möglicherweise hätte das Konstrukt trotz des Webfehlers funktionieren können, wären nicht alle Verantwortlichen von der extrem hohen Zahl der zu betreuenden Menschen überrascht worden. Besonders der Bunte Tisch war als eine der ersten Organisationen immer da, wo Not am Mann war. Doch reichten ganz offensichtlich weder Zeit noch Energie, um Anliegen von Bürgern mit der gebotenen Professionalität abzuarbeiten. Wer das kritisiert, will den Helfern nichts Böses. Niemand sollte sich jetzt in den Schmollwinkel zurückziehen. Aber im Rathaus muss Bürgermeister Christoph Fleischhauer endlich professionelle Strukturen schaffen.

juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
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