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Moers
Neuer Traumjob hinterm Steuer

Moers: Neuer Traumjob hinterm Steuer
Integrationsberater Christian Dreyer (Mitte) und Disponent Jürgen Richter (r.) freuen sich mit Annemarie Kleinhof über die neue berufliche Perspektive. FOTO: AA
Moers. Zehn Jahre hat sich Annemarie Kleinhof der Familie gewidmet. Mit Unterstützung der Arbeitsagentur Wesel wurde die Xantenerin zur Busfahrerin ausgebildet - ein Modell, das auch für Moerserinnen eine Option sein kann.

Sie sitzt hinter dem Steuer, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Dabei ist Annemarie Kleinhof erst seit knapp drei Monaten als Fahrerin im Einsatz. Nach einer zehnjährigen Familienphase hat Annemarie Kleinhof mit Unterstützung der Integrationsberatung der Agentur für Arbeit Wesel und einer Qualifizierung eine neue Berufsperspektive gefunden - als Busfahrerin bei Omnibus Scholten in Xanten.

"Eigentlich bin ich schon immer gerne Auto gefahren", erinnert sich die 41-Jährige, wie die Idee entstanden ist, "mein Mann kommt nur ab und zu ans Lenkrad." Das Thema wurde interessant, als sich die Mutter von zwei Kindern nach zehnjähriger Familienphase bei der Agentur für Arbeit Wesel meldete, um beruflich wieder durchzustarten. Eine umfassende Beratung erhielt sie bei Christian Dreyer vom Team "Interne ganzheitliche Integrationsberatung". Dort werden Menschen beraten, die bei der Arbeitsuche mehr Unterstützung benötigen, sei es aus gesundheitlichen oder familiären Gründen, weil eine Ausbildung fehlt oder sie so lange aus dem Job heraus sind wie Annemarie Kleinhof.

Als Dreyer in der ersten Beratung zur Klärung beruflicher Alternativen ganz direkt nach ihrem Traumjob fragte, kam die Antwort ebenso direkt zurück: "Busfahrerin!" Dreyer recherchierte und fand eine Fahrschule, die kurzfristig mit der Weiterbildung begann. "Ich habe alle Termine verschoben, um sofort anzufangen", erzählt Annemarie Kleinhof. In der fünfmonatigen Teilqualifizierung zur Busfahrerin in der Personenbeförderung gab es viel zu lernen. "Das war eine neue Welt für mich - aber toll." Nicht nur die großen Ausmaße des Fahrzeugs begeistern sie, sondern auch der Umgang mit Fahrgästen und das Meistern kniffliger Situation.

Nach jeder bestandenen Prüfung meldete sie sich bei ihrem Integrationsberater. "Ihre Motivation war schon außergewöhnlich und ist mir sehr positiv aufgefallen", so Dreyer. Ihre Eignung blieb auch dem Praktikumsbetrieb nicht verborgen, wie Jürgen Richter, Disponent bei dem Xantener Transportunternehmen Omnibus Scholten, bestätigt. "Sie ist sehr engagiert und passt gut ins Team." An Quereinsteiger ist er gewöhnt. Regelmäßig gibt das Unternehmen, das seit 1926 besteht und heute 45 Mitarbeiter hat, Praktikanten von Weiterbildungen eine Chance. Richter betont: "Es ist wichtig, den Beruf vorher kennenzulernen. Busfahren ist ein schöner, aber auch ein harter Job, man muss im Linienverkehr den Zeitplan einhalten, arbeitet auch abends oder am Wochenende. Das liegt nicht jedem."

Bei der heutigen Busfahrerin Annemarie Kleinhof hielt die Vorstellung vom Traumjob der Realität stand. Nach dem Praktikum und der bestandenen Prüfung erhielt sie einen Arbeitsvertrag. Mittlerweile fährt sie eine eigene Linie, bringt Schüler täglich aus dem Umkreis nach Goch zur Schule und zurück. "Gerade für den Schülertransport ist es schwierig, geeignete Fahrer zu finden. Es ist laut, man muss den Bezug zu den Kindern herstellen und sich gleichzeitig Respekt verschaffen können", so Richter. Für seine neue Mitarbeiterin kein Problem: "Mit den Schülern komme ich super klar, die sind sehr nett!" In der Männerdomäne - immerhin sind laut Richter rund 80 Prozent der Fahrer männlich - fühlt sich Annemarie Kleinhof ebenfalls wohl. Alles zusammen gute Voraussetzungen, damit sie noch lange in ihrem Traumjob arbeiten kann.

Christian Dreyer drückt ihr die Daumen. "Eine berufliche Neuorientierung oder Weiterbildung ist häufig der richtige Weg. Ob man sich in seinem erlernten Beruf weiter qualifiziert oder beruflich umsattelt - wichtig ist, dass man offen bleibt, um Neues zu lernen. Das kostet manchmal zunächst etwas Überwindung, lohnt sich aber, weil man seine Position auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig verbessert", rät der Integrationsberater allen Berufsrückkehrern.

Quelle: RP
 
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