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Moers
Neues Projekt macht Frauen selbstbewusster

Moers: Neues Projekt macht Frauen selbstbewusster
Kursleiter Jusuf Zulic zeigt, wie Frauen sich bei einem Angriff zu Wehr setzen können. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Selbstbewusstes Auftreten und effektive Verteidigungstechniken schützen Frauen vor gewaltsamen Übergriffen. In Moers startet am Mittwoch ein neues Projekt, das Frauen unterstützen soll. Von Gabi Harpers

Alle drei Minuten wird in Deutschland eine Frau Opfer eines Gewaltverbrechens. Lediglich jede Dritte wehrt sich. Aktuelle Polizeistatistiken besagen, dass in 90 Prozent der Fälle der Täter von seinem Opfer ablässt, wenn die Frau sich wehrt. "Gewalt gegen Frauen ist kein neues Thema", sagt Ute Maria Schmitz (CDU), Stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Moerser Stadtrat. "Aber die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten haben die Diskussion wieder neu entfacht. Durch zahlreiche Gespräche mit Frauen aller Generationen weiß ich um die Ängste meiner Mitbürgerinnen." Wichtig sei, so Schmitz weiter, dass Frauen lernen könnten, wie man sich selbst schützt. Der Gang durch eine abgelegene Nebenstraße, der Weg über einen unbewachten Parkplatz, zur Bushaltestelle oder in die Tiefgarage dürfe nicht zum unüberwindlichen Hindernis für Frauen werden.

"Wir müssen die Frauen aus der Opferrolle herausholen und versuchen, ihr Selbstvertrauen zu stärken", bekräftigt die engagierte Politikerin. Gemeinsam mit Ines Willwerth, Inhaberin des Moerser Studios "Lady Fitness" hat sie jetzt ein neues Kursprojekt ins Leben gerufen. Leiter des Projekts ist Jusuf Zulic, Träger des 6. Dan (Schwarzer Gürtel) in der chinesischen Selbstverteidigungs- und Kampfkunst Shaolin Chuan Fa - Dju Su. "Wir müssen die Frauen dazu ermutigen, ihre Hemmungen zu überwinden und sich gegen jeden Angreifer zur Wehr zu setzen. Ein Wochenendseminar oder ein mehrstündiger Workshop reichen dazu nicht aus."

Die zu erlernenden Techniken müssten eingeübt und durch häufige Wiederholungen gefestigt werden, erläutert der Experte. "Wir starten in der kommenden Woche am Mittwoch, 24. Februar und am Samstag, dem 27. Februar mit zwei Parallelkursen", berichtet Ines Willwerth. "Jeder Kurs umfasst zehn Einheiten zu je einer bis eineinhalb Stunden. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Frauen begrenzt. Folgekurse sind bereits in Planung. Unser Angebot richtet sich an Frauen und Mädchen jeden Alters." Die Kursgebühr beträgt 79 Euro. Von diesem Betrag gehen jeweils 20 Euro als Spende an das Moerser Frauenhaus. Die erfolgreichste Selbstverteidigung sei, so Zulic, wenn man durch Aufmerksamkeit Gefahren im Vorfeld erkenne und ihnen aus dem Weg gehen könne indem man beispielsweise die Straßenseite wechselt. Sei das nicht möglich, sorge selbstbewusstes Auftreten dafür, nicht als schwaches Opfer wahrgenommen zu werden. "Sollte man trotzdem angegriffen werden", erläutert Zulic, "hilft kein selbstbewusster Blick oder keine verbale Selbstbehauptung mehr.

Der Täter muss mit effektiven Selbstverteidigungstechniken aktiv abgewehrt und schnell gestoppt werden." Neben dem körperlichen ist auch das mentale Training für Jusuf Zulic ein Hauptbestandteil des Projektes: "Die Frauen werden darauf vorbereitet, in Ausnahmesituationen, die in Rollenspielen nachgestellt werden, keine Angst zu zeigen. Sie müssen den Stress spüren und trotzdem die Kontrolle behalten, um auch in der Lage zu sein, die erlernten Techniken anzuwenden."

Zulic weiter: "Frauen haben weniger Muskeln als Männer. Dieses Defizit müssen sie lernen, mit Technik auszugleichen." Wichtig sei es, so Zulic, an jeder Übungseinheit teilzunehmen, denn häufige Wiederholungen machten die Bewegungsabläufe zur Routine. "Wir bilden keine Schlägerinnen aus, sondern gehen auf die speziellen Ängste jeder einzelnen Teilnehmerin ein. Die Frauen werden angeleitet, Streit zu vermeiden und wenn das nicht gelingt, sich mit den einfachsten Mitteln zu wehren", so der Kursleiter.

Quelle: RP
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