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Moers
NKM spielt die Musik eines "unerhörten Talentes"

Moers. Das Niederrheinische Kammerorchester begeistert das Publikum im Kulturzentrum mit Beethoven, Schubert und Smit.

In seinem Herbstkonzert setzte das Niederrheinische Kammerorchester (NKM) diesmal auf Beethovens erste und Schuberts siebte Sinfonie. Eingebettet in die großen Werke war das Bratschenkonzert des Niederländers Leo Smit, das einen "wichtigen Schwerpunkt" im Programm bilden sollte. Im erfreulich gut besuchten Kulturzentrum Rheinkamp erlebten die Zuhörer einen schwungvollen Auftakt, den das Orchester in guter Harmonie mit den Düsseldorfer Bläsersolisten gestaltete.

In ungezwungenem Fluss ließ Dirigent Michael Preiser die Konversation zwischen Streichern und Bläsern angenehm leicht klingen und Forte-Stellen in diskreter Eleganz ausblenden, bevor sie den Fluss jäh hätten abbrechen können. Das nahm manchem Beethovenschen Klangereignis zwar die Dramatik, die musikalische Überraschung, aber der Gesamteindruck war so farbenreich und melodiös, dass er jeden Zuhörer erfreuen musste.

Nach diesem heiteren Auftakt bildete das folgende Werk, Leo Smits Konzert für Viola und Orchester, einen umso schrofferen Kontrast. Den wenigsten Konzertbesuchern wird der Name des Komponisten geläufig gewesen sein. Leo Smit gilt als "unerhörtes Talent", eine Bezeichnung, der in diesem Fall ein düsterer Beiklang anhaftet. Geboren wurde der Sohn wohlhabender niederländischer Kaufleute 1900 in Amsterdam. 1927 ging er nach Paris, wo er von Komponisten wie Milhaud, Ravel und Strawinsky inspiriert wurde. 1937 kehrte er mit seiner Frau nach Amsterdam zurück und musste bald in das jüdische Ghetto der Stadt umsiedeln. Am 27. April 1943 wurden sie von den nationalsozialistischen Schergen nach Sobidor in Polen deportiert und drei Tage später ermordet. Der Arbeit engagierter niederländischer Musiker ist es zu verdanken, dass die Erinnerung an den begabten Komponisten aufrecht erhalten wurde.

Umso lobenswerter darf man die Idee Michael Preisers werten, der beim Studium von Partituren auf die Kompositionen Smits aufmerksam wurde und sich dafür einsetzt, diesen "damals sehr vielversprechenden Komponisten dem Vergessen zu entreißen". Mit der armenischen Bratschistin und Komponistin Armine Abrahamyan hatte das NKM eine versierte Interpretin insbesondere der Musik des 20. Jahrhunderts verpflichtet. Dank ihrer virtuosen Technik und ihres kraftvollen, energischen Tons verstand sie es, den neoklassischen Tonfall des herben, von tragischen Vorahnungen umflorten Werks zu betonen. Wie Smits Konzert wurde auch Franz Schuberts berühmte zweisätzige Sinfonie Nr. 7, die als "Unvollendete" Weltruhm errang, erst nach seinem Tod überhaupt erst richtig entdeckt und verbreitet. Im Herbstprogramm des NKM schloss sie effektvoll die Programmfolge mit einem Verweis auf Beethoven in unverkennbar Schubertscher Klangsprache. Ein triumphales Finale, in dem es dem Orchester überzeugend gelang, die unterschiedlichen Stimmungen des Werks und die inneren Beziehungen der beiden Sätze herauszuarbeiten.

(prs)
 
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