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Moers
Oase des Wohlklangs im Gewerbegebiet

Moers: Oase des Wohlklangs im Gewerbegebiet
Die Kisten enthalten mehr als 5000 gebrauchte Schallplatten, die gereinigt und nach Genres geordnet wurden. FOTO: Pogo
Moers. In seinem Geschäft "Music & More" verkauft Hans Wulfert Vinyl-Schallplatten und hochklassige Audiogeräte. Auch für alte Jukeboxes und Spieltruhen kann sich der Musikfreund begeistern. Von Josef Pogorzalek

Hans Wulfert legt eine CD von Katie Melua ein, dreht die Lautstärke auf. Klingt fast, als erlebte man die britische Sängerin live. "Ich hab dieselbe Platte auch als Vinyl-Schallplatte", sagt der Moerser. Wer den Unterschied hört, ist high-end-geeignet." High End, das steht für all die ausgefeilte, nicht ganz billige Technik, die aus Musikaufnahmen kleinste Details herausholt und einen phänomenalen Klang zaubert. Wulfert handelt mit solchen Geräten. In seinem Geschäft verkauft er hochklassige CD-Player, Verstärker, Lautsprecher und Plattenspieler. "Music & More" heißt die im Gewerbegebiet Hülsdonk etwas versteckt liegende Audiophilen-Oase.

Der Name Wulfert steht seit Jahren für ein Moerser Feinkost-Unternehmen. "Music & More" liegt in einer Halle gleich neben dem Delikatessen-Betrieb. Hier hat Wulfert im vergangenen Jahr sein Hobby zum Beruf gemacht. Wer das Geschäft betritt, steht vor einem Meer aus mehr als 5000 gebrauchten Schallplatten. Die Vinyl-Scheiben erleben eine Renaissance. Wulfert kauft Schallplatten auf, reinigt sie in einer speziellen Waschmaschine und bietet sie, nach Genres geordnet, zum Verkauf an. Auch Neuerscheinungen auf Vinyl sind bei ihm zu haben.

Eingefleischte Fans schwören auf den Schallplatten-Sound. Wulfert dagegen behauptet nicht, dass sie besser klängen als CDs. "Analog klingt anders als digital", meint er lediglich. "Das muss man hören." Für ihn ist der Vinyl-Boom auch ein Zeichen der Abkehr von der allgegenwärtigen Musikberieselung und ständigen Verfügbarkeit digitaler Musikdateien - zurück zu einem bewussten Zuhören, einer Wertschätzung. "Bei Schallplatten hat man etwas in der Hand. Man geht damit vorsichtig um." Und während ein CD-Player geschlossen sei, könne jeder bei einem Plattenspieler sehen, "was passiert".

Links: Im Klangstudio besteht die Möglichkeit, verschiedene Anlagen probe zu hören. Rechts: Das antike Symphonion steht in Wulferts "Oma-Plüsch-Stube". FOTO: Josef Pogorzalek

Zurück zur High-End-Technik: Sie steht in einem separaten "Klangstudio" neben dem Schallplattenverkauf. Wer einen Termin vereinbart hat, kann sich dort in einen Ledersessel pflanzen, um verschiedene Anlagen Probe zu hören, gerne auch mit eigenen, mitgebrachten CDs oder Schallplatten. Wulfert verkauft Geräte von Marken wie Pro-Ject, Audreal und Blumenhofer Acoustics. "Sachen, die nicht bei Saturn oder Media Markt stehen." Auch hier will er nicht von "besser" und "schlechter" reden. Es gebe schließlich auch Autofahrer, die mit ihrem VW genauso glücklich seien wie andere mit einem Ferrari. Mit welchen Autos würde er "seine" Marken vergleichen? "Mit Porsches. Kleinen Porsches."

Niemand komme zu ihm und gehe mit einer Anlage unterm Arm nach Hause, sagt Wulfert. "Die Entscheidung dauert länger." Auf Wunsch fahre er auch zum Kunden raus und sehe sich an, wo die Musikanlage stehen soll, um dann gezielt zu beraten. Bei 1000 Euro liege die untere Preisgrenze für eine Anlage, mit der sich ein (kleiner) Raum gut beschallen lasse. "Dann hört man gerne zu und hat Spaß." Es geht natürlich auch viel, viel teurer.

FOTO: Josef Pogorzalek

Die High-Ende-Gemeinde wird von Männern dominiert. Während also (in der Regel) die Herren in Schallplatten stöbern oder im Klangstudio über Wattzahlen debattieren, darf sich die bessere Hälfte die Zeit bei einem Kaffee vertreiben. "Dafür haben wir unsere Oma-Plüsch-Stube", sagt Wulfert. Seine Ehefrau Sigrid hat den Raum mit alten Möbeln eingerichtet. Er selbst bewahrt dort einige Sammlerstücke auf: einen alten Musikschrank, ein Grammophon, einen (funktionierender!) Fernseher aus den 50er Jahren, zwei Musikboxen aus den 50er und 60er Jahren. Ja, auch an solchen Schätzchen kann sich Wulfert erfreuen. Und was ist das da für eine komische Holzkiste? Ein Symphonion aus den 20er Jahren! Die Musiktruhe mit Handaufzug spielt mithilfe von Lochplatten wechselnde Melodien. Wulfert legt das "Ave Maria" von Bach/Gounod auf, es plingt und plongt, was das Zeug hält. Kein Ferrari, kein Porsche, nicht mal ein VW, klanglich betrachtet. Bestenfalls ein Nissan Micra. Aber wunderbar.

Music & More, Am Schürmannshütt 26, in Moers, www.musicundmore.de

Quelle: RP
 
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