| 00.00 Uhr

Giovanni Malaponti
"Ohne Konto kann man nicht am Leben teilnehmen"

Moers. Wie lassen sich Konten für Asylbewerber und Flüchtlinge anbieten? Das erklärt Sparkassenchef Malaponti im Interview.

Rheinberg/Xanten Ein Konto für Flüchtlinge und Asylbewerber, die oft nicht einmal Ausweispapiere haben: Wie das geht, erklärt Giovanni Malaponti, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse am Niederrhein.

Herr Malaponti, können Flüchtlinge oder Asylbewerber ein Konto bei der Sparkasse eröffnen?

Giovanni Malaponti Selbstverständlich. Flüchtlinge haben die Möglichkeit, ein ganz normales Girokonto auf Guthabenbasis bei uns zu eröffnen. Die Inhaber können Geld in unseren Geschäftsstellen oder am Geldautomaten abheben, Überweisungen vornehmen sowie Daueraufträge und Lastschriften einrichten. Viele nutzen dazu unser Online-Banking. Wir haben uns bereits Ende 2014 eng mit den sechs Kommunen unseres Geschäftsgebietes zwischen Moers und Xanten darauf verständigt, diese Kontoeröffnungen möglichst unbürokratisch vorzunehmen. Das hat sich in der Zeit, als der Zustrom der Menschen stark wurde, bewährt.

Welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Malaponti Wie bei allen anderen Eröffnungen von Girokonten benötigen wir gültige Legitimationspapiere. Da die meisten Flüchtlinge keine Ausweispapiere ihres Heimatlandes bei sich tragen, können wir Duldungen oder Ankunftsnachweise akzeptieren. Das sind offizielle Papiere mit dem Stempel der ausstellenden Behörde.

Ist die Sparkasse in einer anderen Position als andere Geldinstitute?

Malaponti Als öffentlich-rechtliche Sparkasse war es schon immer unsere Aufgabe, für jeden Menschen ein Girokonto zu eröffnen. Ich betrachte das als einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag, denn ohne Girokonto kann man nicht am normalen Leben teilnehmen. Der größte Teil aller Zahlungsvorgänge wird hierzulande bargeldlos abgewickelt. Bis Juni dieses Jahres gab es die gesetzliche Verpflichtung zum Konto für jedermann nur für uns. Mit dem Inkrafttreten des Zahlungskontengesetzes muss nun jedes Kreditinstitut einem Kunden ein Basiskonto anbieten.

Wird dafür geworben?

Malaponti Wegen der sprachlichen Barrieren bieten wir seit Oktober des vergangenen Jahres in unseren Geschäftsstellen und in unserer Internet-Filiale Flyer auf Arabisch, Englisch und Französisch an, in denen beschrieben wird, welche Möglichkeiten unser Girokonto bietet, was man tun muss und welche Sicherheitsaspekte zu beachten sind.

Wie sind die Erfahrungen bisher?

malaponti Die Erfahrungen sind durchweg gut. Die Berater in unseren Geschäftsstellen berichten, dass die Kontoeröffnungen reibungslos laufen. Die Menschen sind freundlich und freuen sich, weil alles so unkompliziert geht. Bislang haben wir rund 1000 Konten eröffnet.

In Orsoy liegt die ZUE mit rund 400 Bewohnern unmittelbar neben der Sparkassen-Geschäftsstelle. Ist das Interesse dort besonders groß?

Malaponti Na klar, das ist der nächste Weg. Wir merken in Orsoy und andernorts: Die Verweildauer der Menschen in den Unterkünften wird länger, und damit steigt auch die Anzahl der Konten.

RP-REDAKTEUR UWE PLIEN FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Giovanni Malaponti: "Ohne Konto kann man nicht am Leben teilnehmen"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.