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Moers
Paralympics-Star zeigt Medaillen

Moers: Paralympics-Star zeigt Medaillen
Der Moerser David Behre gestern im Foyer der Sparkasse. Im Geldinstitut verteilte er Autogramme. FOTO: Klaus Dieker
Moers. David Behre aus Moers holte bei den Paralympics in Rio Gold, Silber und Bronze. Dem erfolgreichen Läufer über 200 und 400 Meter fehlen beide Unterschenkel. Gestern war er zu Gast in der Sparkasse. Von Jana Marquardt

Als Waltraud Becker aus Moers mit David Behre (30) und seinen drei Medaillen ein Foto macht, strahlt sie mit dem Sportler um die Wette. Die Rollstuhlfahrerin, die 1972 selbst bei den Paralympics (damals noch: Weltspiele der Behinderten) im Bogenschießen teilnahm und zwei Medaillen gewann, ist an diesem Nachmittag zur Autogrammstunde in die Sparkasse am Ostring gekommen, um den Paralympics-Star persönlich kennenzulernen. "Haben Sie die schon gewogen?", fragt sie und hält die Silbermedaille in die Höhe, die Behre im 400-Meter-Lauf gewonnen hat. "Ja, ist so circa 450 Gramm schwer", erwidert der Sportler grinsend.

Die goldene Medaille sei etwas schwerer, die bronzene ein wenig leichter. Auf allen dreien steht etwas in Blindenschrift und sie sind gefüllt mit Kügelchen. "Die klingen bei Gold, Silber und Bronze jeweils unterschiedlich, damit die blinden Sportler hören können, mit welcher Medaille sie es zutun haben", erklärt David Behre.

Die deutschen Medaillen-Gewinner FOTO: dpa, jbu

Der 30-Jährige erzählt stolz, aber nicht überheblich von den Paralympics in Rio, auf die er vier Jahre lang hingearbeitet hat. Sieben Mal ist er dort gelaufen, drei Mal mit großem Erfolg. "Ich habe meinen Traum verwirklicht und bin überwältigt von dem Erfolg. Doch darauf möchte ich mich nicht ausruhen. Bald beginnt das Training für die WM nächstes Jahr in London", sagt David Behre. Der 30-Jährige ist ein ehrgeiziger Leistungssportler. "Ehrgeiziger als vor meinem Unfall, nach dem mir beide Unterschenkel amputiert wurden", sagt er.

Bevor er im September 2007 von einem Zug am Glück-Auf-Bahnübergang in Moers erfasst wurde, machte David Behre eine Ausbildung zum Fachinformatiker, fuhr leidenschaftlich gern Motocross. An jenem Herbsttag vor neun Jahren fand ihn eine Anwohnerin drei Stunden, nachdem ihn der Zug mehrere hundert Meter weit geschleift hatte. David Behre war in einem Gebüsch aufgewacht. "Überall war Blut. Niemand hatte bemerkt, dass mir der Zug die Füße abgetrennt hatte", erzählt er. "Ich robbte einen Hang hoch und rief um Hilfe." Kurz darauf wurde er in eine Klinik geflogen, mehrmals operiert. Die Unterschenkel wurde zwei Wochen nach dem Unglück vollständig amputiert. Doch David Behre beschäftigte sich nicht mit der Frage, warum ausgerechnet ihm das passiert war. "Ich sah nach vorn. Eine Reportage über Oscar Pistorius, den Läufer ohne Beine, motivierte mich, mein Glück in der Leichtathletik zu versuchen", erzählt der 30-Jährige.

Nach drei Monaten konnte er ohne Gehhilfen Laufen, setzte sich kleine Ziele, die er in Etappen erreichte, wie das tägliche Spazieren gehen mit seinen Hunden. Joggen? Das sollte laut eines Experten nie wieder möglich sein. "Das habe ich geschafft und so eine Grenze überschritten. Da wusste ich, ich kann mehr", sagt Behre. Ein Jahr nach dem Unfall begann er seine Karriere im Leistungssport.

Für die Zukunft hat David Behre ein großes Ziel: Eine Reha-Klinik für "schwer verunfallte Patienten", wie er es vor neun Jahren war. "Damit sie schnell ins normale Leben zurückkehren können", betont er.

Quelle: RP
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