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Moers
Parkplätze sollen Kindergarten weichen

Moers: Parkplätze sollen Kindergarten weichen
Der Kindergarten an der kleinen Allee ist baufällig und soll abgerissen werden. FOTO: Christoph Reichwein.
Moers. Weil die evangelische Kirchengemeinde in Moers das Grundstück an der Kleinen Allee verkaufen möchte, soll der dortige Kindergarten umziehen. Die Stadt hat jetzt das Grundstück der ehemaligen Fechthalle vorgeschlagen. Von Jürgen Stock

Noch dringt Kinderlachen aus den Räumen des Kindergartens an der Kleinen Allee. Doch die Tage der Einrichtung sind gezählt. Die Kirche will die dreigruppige Ü3-Einrichtung schließen, weil sie das Grundstück, das an das Tersteegenhaus grenzt, benötigt, um ihre Finanzen zu sichern. Im April 2013 teilte die Gemeinde ihre Absicht der Verwaltung mit, die sich darauf hin auf die Suche nach einem neuen Standort machte. Jetzt ist die Stadt, wie von unserer Zeitung bereits berichtet, fündig geworden. Für die kommende Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Donnerstag schlägt sie vor, das Gelände der ehemaligen Fechthalle an der Mühlenstraße in Anspruch zu nehmen.

Das hat schon im Vorfeld zu heftigem Widerspruch geführt. Denn anstelle der Fechthalle sollten nach ursprünglicher Planung 120 Parkplätze entstehen. Der Moerser Einzelhandelsverband etwa sieht dringenden Bedarf für die geplanten Parkflächen. "Die sind in Citynähe zwingend nötig", sagt Geschäftsführer Wilhelm Bommann. "In den vergangenen Jahren sind zum Beispiel am Südring Parkflächen weggefallen, und der Druck wird sich durch den Campus-Bau noch erhöhen."

Ähnlich sehen das wohl auch CDU und FDP. Die CDU fordert zum Beispiel die Entwicklung eines Parkraumkonzepts: "Wir sehen beim gesamten Thema Parken viel Verbesserungsbedarf und Entwicklungspotenzial", sagt Fraktions-Chef Ingo Brohl. "Dies gilt sowohl für die Anzahl, die Erreichbarkeit, die Qualität und die Erstellung von neuen, modernen Parkmöglichkeiten sowie Überlegungen zu Betreibermodellen. Auch städtebauliche Ideen wie autofreier Kastellplatz, Neubau des Bügeleisens, Verlagerung eines Kindergartens auf die Mühlenstraße, Moerser Rund und Verkehrsberuhigung Neuer Wall setzten notwendig ein neues Parkraumkonzept voraus. Noch deutlicher lehnt die FDP-Fraktion die Verwaltungspläne ab. Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Otto Laakmann sieht nicht einmal Handlungsbedarf für einen Kindergartenneubau. Dagegen benötige "die Einkaufs- und Verwaltungsstadt Moers dringend innenstadtnahe Parkplätze. Wo sollen die geplanten ca. 120 Parkplätze errichtet werden, wenn ein Kindergarten auf dem Parkplatz gebaut wird?"

Auch die Grünen sehen die Verwaltungspläne kritisch. "Es hieß doch immer, die Parkplätze seien wichtig", sagt Fraktionsvorsitzender Christopher Schmidtke. Das soll auf einmal nicht mehr gelten?" Zudem passe nicht, dass die Verwaltung derzeit auf der Weyerstraße, "also auf der anderen Straßenseite" eine Wohnbebauung plane.

Doch diesen Standort hat die Verwaltung, wie zu hören war, aus formellen Gründen ausgeschlossen. Denn die Weyerstraße liegt knapp jenseits der Grenze des Sozialatlasbezirks 8, der den Stadtkern umfasst. Gerade dort aber sei, so die Vorlage, die Kita-Situation "bereits jetzt äußerst angespannt. Lediglich zwei Einrichtungen, nämlich die ev. Kleine Allee und die kath. Einrichtung am Kastell, tragen zur Versorgungssituation bei, decken jedoch zusammen nur knapp über 55 % des Bedarfs ab." Mit dem Wegfall der Kleinen Allee sänke die Versorgungsquote Ü3 in Moers-Mitte auf ca. 22 Prozent. Zudem fehlten U3-Plätze, die nun in der neuen Kita angeboten werden sollen.

Allerdings würde für eine viergruppige Kindertageseinrichtung, wie sie an der Mühlenstraße nötig ist, ein Grundstück mit einer Gesamtgröße von ca. 2500 Quadratmeter benötigt. Das Fechthallen-Gelände ist kleiner. Daher müssten angrenzende städtische (Grün-) Flächen hinzugezogen und weitere Grundstücke erworben werden.

Mark Rosendahl (SPD) hält den Standort Mühlenstraße für geeignet, auch wenn dadurch Parkplätze verloren gingen. Auch Torsten Maes von der evangelischen Kirchengemeinde begrüßt die Pläne der Stadt für den Standort Mühlenstraße: "Das ist uns sehr willkommen." Zu Laakmanns Vorschlag, die Kirche möge doch die Kita auf ihrem Grundstück in der Goebenstraße bauen, merkte der Pfarrer an: "Er kann doch wohl nicht von uns verlangen, dass wir uns nicht marktkonform verhalten."

Quelle: RP
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