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Moers
Pavel Kolesnikov begeistert Publikum

Moers: Pavel Kolesnikov begeistert Publikum
Pavel Kolesnikov war im Martinistift zu Gast. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Der junge russische Pianist gastiert im Moerser Martinistift. Der 1989 geborene Musiker hat bereits in der Londoner Carnegie Hall und im Pariser Louvre gespielt. Das Konzert in Moers war seit Wochen ausverkauft. Von Jan Caspers

Mit einem Auftritt des russischen Pianisten Pavel Kolesnikov machte das "Klavier-Festival Ruhr" Station im Moerser Martinstift. Die Karten für das Konzert im Kammermusiksaal der Moerser Musikschule waren bereits seit Wochen ausverkauft.

Das Konzert im Moerser Martinstift, das vom WDR aufgezeichnet wurde und am 1. Juli ab 20 Uhr auf WDR 3 zu hören sein wird, eröffnete Pavel Kolesnikov mit der "Fantasie in c-Moll KV 475" von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit präzisem Anschlag und technisch perfektem Spiel arbeitete er dabei jeden einzelnen Ton überaus differenziert heraus. Teilweise wirkte die Interpretation dadurch allerdings sehr analytisch. Die sonst so perlend leichten Läufe Mozarts zerfaserten unter den Händen des jungen Russen etwas und es wollte kein rechter Spielfluss aufkommen.

Bei der "Fantasie in C-Dur op. 17" von Robert Schumann, die im Anschluss zu hören war, gelang dem Pianisten hingegen eine ausgewogene Mischung aus technisch eindrucksvollem Spiel mit hoher Virtuosität und wunderbar fließenden Melodiebögen. Robert Schumann komponierte das Werk, das von einer durchgehenden Melancholie geprägt ist, in den Jahren 1836 bis 1838 und widmete es Franz Liszt, der ihn zu der Komposition angeregt hatte.

Nach einer kurzen Pause setzte Pavel Kolesnikov sein Konzert mit dem "Poème in E-Dur op. 72" sowie der "Sonate in Fis-Dur op. 30" von Alexander Skrjabin fort. Bei beiden Werken des russischen Komponisten konnte Pavel Kolesnikov seine brillante Technik erneut unter Beweis stellen. Während er sich tief über das Klavier beugte, rasten seine Finger flink und energisch über die Tasten des Steinway-Flügels. Kraftvoll und präzise meisterte er so die höchst anspruchsvollen Passagen und ständigen Rhythmuswechsel beider Kompositionen.

Als letztes Klavierwerk stand die "Sonate in c-Moll op. 111" von Ludwig van Beethoven auf dem Programm. Sie ist die letzte von Beethovens 32 Klaviersonaten und zeichnet sich durch eine Vielzahl von technischen Finessen wie eindrucksvollen Trillerketten, Zweiunddreißigstel-Triolen und synkopischen Akkorden aus. Phasenweise stellte sich während des Konzertes der Eindruck ein, dass Beethoven in der Sonate, wie bereits in anderen Klaviersonaten zuvor, Motive des Jazz vorwegnimmt. In manchen Momenten formte Pavel Kolesnikov einzelne Noten und Läufe während des Konzertes mit dem Mund nach und erinnerte dabei etwas an Glenn Gould, der bekanntlich hörbar mitsummte während er spielte.

Im Anschluss an die mächtige Klaviersonate Beethovens brandete im Kammermusiksaal der Moerser Musikschule stürmischer Applaus auf, den Pavel Kolesnikov fast schüchtern und mit scheuem Lächeln entgegennahm.

Mit der Zugabe "Von fremden Ländern und Menschen" aus den "Kinderszenen" von Robert Schumann verabschiedete sich der Pianist musikalisch von seinem Publikum, verbeugte sich noch einmal tief und verschwand schließlich hinter dem blauen Vorhang.

Pavel Kolesnikov wurde 1989 im sibirischen Nowosibirsk geboren und studierte zunächst am Staatlichen Konservatorium in Moskau. Später war er Student am "Royal College of Music" in London und an der "Chapelle Musicale Reine Elisabeth" in Brüssel, wo er von Maria João Pires unterrichtet wurde. Im Jahr 2012 gewann Pavel Kolesnikov den renommierten "Esther-Honens-Klavierwettbewerb" im kanadischen Calgary.

Es folgten Konzerte in der Londoner Carnegie Hall und im Pariser Louvre sowie Auftritte mit der Russischen Nationalphilharmonie, dem London Philharmonic Orchestra und dem Toronto Symphony Orchestra.

Quelle: RP
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