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Moers
Pestizidfreie Zone in Moers: Kritik der Landwirte an der Politik

Moers: Pestizidfreie Zone in Moers: Kritik der Landwirte an der Politik
Bürgermeister Christoph Fleischhauer musste sich bei den Ortsbauern heftige Kritik anhören. FOTO: K. Dieker
Moers. Bürgermeister Christoph Fleischhauer beruhigt die Bauern bei der Winter-versammlung der Ortsbauernschaften Kapellen-Hülsdonk und Schwafheim.

Herbert Meiwes und Hendrik Fechner von den Ortsbauernschaften Kapellen-Hülsdonk und Moers-Schwafheim hatten zu einer umfangreichen Tagesordnung ins Vinner Krauthaus eingeladen. Doch schon nach den Begrüßungsworten von Bürgermeister Christoph Fleischhauer hagelte es kräftig Kritik seitens der Landwirte. Fleischhauer gab mit dem Stichwort "Pestizidfreie Kommune", einer Aktion des BUND mit 100 beteiligten Kommunen, die Steilvorlage. Zum Hintergrund: Vor Weihnachten hatten SPD, Grafschafter und Grüne den Antrag einbracht, auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden auf öffentlichen Flächen in Moers zu verzichten. Fleischhauer beruhigte die anwesenden Landwirte. "Der Antrag ist eingebracht, mehr nicht". Vor den Fraktionen stünde zunächst die Ausschussarbeit mit entsprechender Themenerarbeitung. Der politische Ansatz sei ehrenwert, doch müsse auch die Umsetzbarkeit geprüft werden.

Fleischhauer sprach von Idealvorstellungen, deren Realisierung in Privatgärten möglich sei. Bereits die Ehrenamtlichen des Rosariums hatten Zweifel angemeldet, den Rosenbestand annähernd schädlingsfrei zu halten. Ähnliche Bedenken bei der betrieblichen Umsetzbarkeit meldete die Enni an. Die Bauern, die zum Teil Pächter öffentlicher Flächen sind, legten nach und brachten Bundes- und EU-Recht ins Gespräch, das sicherlich auf dem Moerser Stadtgebiet nicht anders ausgelegt werden könne. Der Antrag an sich wurde als "kaltschnäuziger Parlamentarismus" bezeichnet.

Generell wurde die Frage nach dem Hintergrund des Antrags gestellt, vor allem ohne sich zuvor mit den örtlichen Landwirten zu verständigen. "Es kann nicht sein, dass solch ein Antrag auf unseren Rücken ausgetragen wird, ohne dass wir mit unserem Fach- und Sachwissen einbezogen wurden. Wir wünschen dazu den Kontakt und Austausch mit der Politik", so Meiwes, der einen Runden Tisch vorschlug. Ohnehin sei der Kenntnisstand um Pestizide, Fungizide und Insektizide in der Bevölkerung wenig konkret. Verständlich sei, vor dem Hintergrund der erneuten Zulassung des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in Brüssel und Stichworten wie Bienen- und Insektensterben, dass sich bei den Menschen ein "Bauchgefühl" rege und von der aktuellen Diskussion befeuert werde. Konsequenz einer Verpflichtung zum Pestizidverzicht, sei unter anderem die Aufkündigung der gepachteten Flächen.

(sabi)
 
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