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Klingelbeutel
Pfingsten, die große Wende

Moers. Lange Zeit dachten die Menschen, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Erst Kopernikus brachte die entscheidende Wende: Nicht die Sonne dreht sich um die Erde, sondern die Erde dreht sich um die Sonne. "Was für ein Erdrutsch in unserer Vorstellung vom Universum", sagt der britische Astrophysiker Stephen Hawking. Ganz ähnlich bringt Pfingsten, das Kommen des Heiligen Geistes einen Erdrutsch in unserer Vorstellung von Gott: Gott ist nicht weit weg im Himmel, sondern ganz nah, mitten unter uns. Pfingsten läutet sozusagen die kopernikanische Wende in unserer Vorstellung von Gott ein. Pfingsten ereignete sich, als der Glaube der Jünger am Boden lag, als sie nichts mehr hofften und nichts mehr glauben konnten. Da wo wir am Ende sind, fängt Gott neu an. Unverhofft kommt oft, sagen wir. Und Gottes Geist kann plötzlich etwas geschehen lassen womit wir gar nicht gerechnet haben. Die Jünger machen eine neue Erfahrung mit Gott. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht auch heute möglich sein kann. Es gibt zwei Sätze, die das Wirken des Heiligen Geistes blockieren: 1. "Das haben wir schon immer so gemacht." Und 2. "Das haben wir noch nie so gemacht." Dahinter verbirgt sich die Angst vor Veränderung. Alles soll so bleiben, wie es ist.

Der Heilige Geist bringt Neues in unser Leben und öffnet uns für neue Erfahrungen. Wie eine neue Liebe, die unserem Leben neuen Schwung verleiht. Sind wir offen dafür? Zu Pfingsten begannen die Jünger in fremden Sprachen zu reden und fingen an das Evangelium in die Welt zu tragen. Pfingsten ist ein multikulturelles, weltumspannendes Ereignis. Der Geist Gottes lässt sich nicht in Landesgrenzen einsperren oder von Grenzzäunen aufhalten. Er überwindet Grenzen und verbindet Menschen über alle Sprachen und Kulturen hinweg zu einer globalen Menschheitsfamilie. Gott ist unser Vater im Himmel, Jesus ist unser Bruder und der Heilige Geist ist das gemeinschaftsstiftende Band der Gemeinschaft. Deshalb gilt Pfingsten auch als der Geburtstag der Kirche. Also: "Herzlichen Glückwunsch!"

STEFAN VOGT, PFARRER IN DER EV. KIRCHENGEMEINDE VLUYN

Quelle: RP
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