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Moers
Pianistin spielt in Repelen Perlen der slawischen Romantik

Moers. In der Dorfkirche Repelen stellte sich die junge Pianistin Violina Petrychenko mit ihrem Musikprogramm dem Publikum vor. Von Jan Caspers

Die Pianistin Violina Petrychenko war am Sonntag zum ersten Mal in der Dorfkirche in Repelen zu Gast. Unter dem Motto "Perlen der slawischen Romantik" spielte sie dort Klavierwerke von Frédéric Chopin und seinen musikalischen Nachfolgern. Geboren wurde Violina Petrychenko in der ukrainischen Stadt Saporoschje, wo sie bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel begann und später am Musikgymnasium Klavier und Musikwissenschaft studierte.

Nach dem Studium an der "Nationalen Tschaikowsky-Musikakademie der Ukraine" ging Violina Petrychenko nach Deutschland und setzte ihr Klavierstudium an der "Hochschule für Musik Franz Liszt" in Weimar, der "Hochschule für Musik und Tanz" in Köln sowie der "Folkwang Universität der Künste" in Essen fort. Zurzeit ist die Musikerin Klavierdozentin an der "Music Academy" in Köln. Das Konzert in Repelen eröffnete Petrychenko mit den vier "Mazurken op. 68" von Frédéric Chopin. Dabei handelt es sich um Klavierminiaturen, die rhythmisch auf polnischen Tänzen basieren. Bei den drei "Mazurken op. 3" von Viktor Kosenko, der als ukrainischer Nationalkomponist gilt, glitten die Finger von Violina Petrychenko federleicht über die Klaviertasten, und ihr Blick ging immer wieder verträumt zur Kirchendecke. Das Spiel der Ukrainerin war gleichzeitig zart und fließend und doch ungemein kraftvoll und präzise. Auch die "Nocturne posth." von Frédéric Chopin mit ihren lyrischen und melancholischen Melodiebögen sowie den perlenden Klavierläufen meisterte sie brillant. Mit den drei sehnsuchtsvoll-klagenden "Klavierstücken op. 9" von Viktor Kosenko, der in seiner kurzen Lebenszeit die Oktober-Revolution und die Anfänge der Sowjetunion miterlebt hatte, in der er unter künstlerisch sehr schwierigen Bedingungen arbeiten musste, endete die erste Konzerthälfte schließlich.

Die zweite Konzerthälfte begann mit zehn "Präludien op. 11" des russischen Komponisten Alexander Skrjabin. Der Zyklus mit insgesamt 24 Präludien besteht aus Miniaturbildern, deren Stimmung zwischen träumerisch-beseeltem und stürmisch-heiterem Charakter wechselt. Die Klaviermusik von Alexander Skrjabin ist dabei auch technisch hoch anspruchsvoll, so dass Violina Petrychenko ihre große Virtuosität eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Wie beim ganzen Konzert so verzichtete die Pianistin auch hier auf die Notenblätter und spielte die Präludien auswendig.

Der ukrainische Komponist Vasyl Barvinsky, der mit zwei Präludien im Konzertprogramm vertreten war, trägt den Beinamen "Komponist ohne Noten". Aufgrund einer Reise in die Schweiz wurde er vom Stalin-Regime der Spionage angeklagt und zu zehn Jahren Haft im Gulag verurteilt. Seine Noten wurden öffentlich verbrannt, und erst nach seinem Tod wurden einige seiner Musikstücke durch Schüler und Freunde rekonstruiert. Zum Schluss gab es stürmischen Applaus.

Quelle: RP
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