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Moers
Plan: Friedhof Utfort wird geschlossen

Moers. Die Enni möchte ein einstimmiges Votum der Politik für ihr neues Friedhofskonzept, das umfangreiche Sparmaßnahmen vorsieht. In der nächsten Woche will sich die Verwaltung mit den Friedhofsgärtnern abstimmen.. Von Elena Erbrich

Die Politiker im Enni-Verwaltungsrat müssen eine schwere Entscheidung treffen: Ende des Monats sollen sie entscheiden, ob der Utforter Friedhof bleibt oder nicht. Mit einer Schließung will die Enni die Gebühren stabilisieren.

Die Friedhofsbesucher zeigten sich gestern von den Plänen überrascht. "Das wäre ja allerhand", sagte Irene Michael. Sie war auf dem Friedhof, um das Grab ihres Mannes zu pflegen, der vor drei Jahren gestorben ist. Seitdem ist sie regelmäßig auf dem Utforter Friedhof und kümmert sich um das Grab, pflanzt neue Blumen und Pflanzen und bewässert sie. Ihre Tochter Angelika Blutschinski half ihr gestern dabei. "Es wäre wirklich schlecht, wenn der Friedhof für ein so großes Einzugsgebiet geschlossen werden würde", sagte Blutschinski. "Die meisten kommen dann wahrscheinlich nach Repelen", vermutete ihre Mutter. "Aber der ist ja schon total überfüllt", ergänzte Angelika Blutschinski.

Viele der Friedhofsbesucher machten sich sofort Gedanken, auf welchen Friedhof in Zukunft ausgewichen werden muss. Angelika Blutschinski sieht darin ein Problem: "Wie sollen die meist älteren Menschen denn dann zu ihren verstorbenen Angehörigen und den Gräbern kommen? Sie wollen sich doch um die Gräber kümmern, und wer nicht mehr Auto- oder Fahrradfahren kann, hat ein Problem. Und wie bekommen sie die Blumen und das alles zum Friedhof?"

Auch Arne Becker von der Friedhofsgärtnerei Adolf Becker war gestern auf dem Utforter Friedhof. Als er von der möglichen Schließung hörte, blieb er ganz ruhig. "Weniger Gräber bedeuten weniger Arbeit und somit weniger Einkommen. Aber bis der Friedhof komplett geschlossen wird, vergehen ja noch viele Jahre. Bis dahin bin ich schon in Rente", sagte Becker.

Sollte es zur Schließung kommen, würde die Fläche noch etwa 30 bis 40 Jahre Friedhof sein. "Erstmal haben einige Personen noch den Anspruch darauf, hier beerdigt zu werden, zum Beispiel bei einem Doppelgrab, und dann muss man da noch 25 Jahre draufrechnen. Das ist die Ruhefrist", sagte Becker.

Am kommenden Mittwoch trifft sich Becker mit der Enni-Verwaltung. "Dann werden wir wohl erfahren, wie es mit dem Friedhof aussieht." Neben Arne Becker kümmern sich noch zwei weitere Friedhofsgärtnereien um den Utforter Friedhof. Insgesamt ist dieser drei Hektar groß. Das entspricht der Größe von etwas mehr als vier Fußballfeldern. 3100 Grabstellen befinden sich auf der Fläche des 1904 eröffneten Friedhofs.

"Betriebswirtschaftlich wäre eine Schließung sinnvoll", sagte SPD-Fraktionschef Mark Rosendahl. "Aber das Thema ist sehr emotional. Deshalb wäre das Vorhaben vom Tisch, sobald eine der sechs Fraktionen im Moerser Rat sich dagegen ausspricht." Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionschef Dino Maas: "Auch wenn man als Politiker nicht mehr davon profitiert, sollte man den Schritt irgendwann gehen."

Im Gespräch ist nach Informationen unserer Redaktion lediglich ein Beisetzungsstopp. Vom Tisch ist offenbar eine noch weitergehende Lösung, die intern auch diskutiert worden war: Eine komplette Entwidmung soll es nicht geben.

Für die Enni hätte eine Schließung den Vorteil, dass sie etwa die marode Trauerhalle in Utfort nicht komplett wiederherstellen müsste. Falls der Friedhof in Zukunft ausliefe, wäre auch eine preiswertere Lösung möglich. Eine Vorentscheidung soll am Montag, 24. Oktober, fallen. Dann wird sich der Enni-Verwaltungsrat mit dem Thema beschäftigen.

Quelle: RP
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