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Rheurdt
Plastik-Störche locken echten Artgenossen an

Rheurdt. Handelt es sich um verfehlte Liebe? Ein Nest mit zwei künstlichen Störchen, das der Reitverein Rheurdt einst aufstellte, hat nun einen echten Storch angezogen. Der Vogel ist bereits Tagesgespräch im Ort. Von Stefan Gilsbach

Da brat' mir doch einer 'nen Storch - dieser Gedanke ist sicher vielen Rheurdtern gekommen, die seit Mittwoch an der Kirchstraße vorbei gekommen sind. Einer von ihnen ist Jürgen Boemer. "Seit einiger Zeit steht ja am Platz des Reitvereins ein Storchennest mit zwei Vögeln aus Kunststoff", sagt er. "Als ich jetzt wieder daran vorbei kam, dachte ich: Nanu, ich denk', ich guck' nicht richtig. Das waren doch nur zwei. Wo kommt denn der Dritte her?" Tatsächlich: Ein leibhaftiger Storch hat sich zu seinen nachgemachten Artgenossen gesellt. In Rheurdt hat sich das bereits herumgesprochen, in den sozialen Medien werden erste Bilder und Filmchen gepostet, viele drücken ihre Überraschung und Freude über den unerwarteten Besuch aus.

Ebenso überrascht sind die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins, die vor zwei Jahren das künstliche Storchennest an der Kirchstraße aufgestellt hatten. "Das war so eine Motto-Idee, die wir anlässlich einer Feier verwirklicht haben", sagt Petra Tißen, die Vorsitzende des Vereins. Dass einmal lebendiger "Familienzuwachs" auftauchen würde, damit hatte niemand gerechnet. "Normalerweise dürfen nur Mitglieder [...] den Platz nutzen, aber ich denke, das ist 'ne Ausnahme", schreibt eine Bürgerin gut gelaunt auf Facebook. Manche fühlen sich an den Fall eines Schwans in Münster erinnert, der sich in ein Tretboot im Schwanen-Look verliebt hatte.

Jürgen Boemer hatte am Mittwoch sofort einige Fotos von dem Neuankömmling gemacht und an die Presse gesandt. Man kann darauf gut sehen, dass der Vogel einen Fußring trägt. Dieser ist aber offenbar bislang von niemanden identifiziert worden.

Natürlich dürfte das Ereignis besonders in Schaephuysen mit großem Interesse verfolgt werden. Denn dort stellt sich seit Jahren im Winter eine Storchendame ein, die regelmäßig einige Wochen bleibt und dann wieder weiterfliegt. Manche nennen sie "Luzie", manche "Adele", und für die Schaephuysener ist sie schon fast ein Dorf-Maskottchen geworden.

Könnte es sich um den Storch, der nun in Rheurdt aufgetaucht ist, etwa um "Luzie" handeln? Ihr Fußring trägt die Signatur "L 975". In Schaephuysen war die Störchin zuletzt Ende Januar gesehen worden, nachdem sie einen ganzen Monat in der Ortschaft verbracht hatte.

Nun fragen sich natürlich die Rheurdter, ob der neu aufgetauchte Vogel bleiben wird. Angeblich sei er schon dabei, Nistmaterial heranzuschaffen, schreibt ein Facebook-Nutzer. Müssten da nicht die Plastikvögel entfernt werden? "Wir haben uns entschieden, erstmal alles so zu lassen wie es ist", sagt Petra Tißen. Der Vogel werde ja einen Grund haben, warum er das Nest mit den beiden Storchen-Dummies angeflogen habe.

Peter Malzbender, Vorsitzender des Naturschutzvereins Nabu im Kreis Wesel, räumt ein, dass er von einem solchen Fall von Storchenliebe noch nie gehört habe. "Allerdings spielen bei vielen Störchen in dieser Jahreszeit schon die Hormone verrückt. In Bislich bauen auch bereits die ersten Störche ihre Nester, in manchen liegen sogar schon Eier." Es handle sich um jene Exemplare, die den Winter über nicht nach Afrika geflogen seien. Ein großer Teil der Störche sei jedoch aus seinen Winterquartieren im Süden noch gar nicht zurückgekehrt. Aus der Tatsache, dass der Storch in Rheurdt Nistmaterial herbeischaffe, könne man übrigens nicht auf das Geschlecht schließen. "Das machen sowohl Männchen als auch Weibchen."

Sollte der Storch beziehungsweise die Störchin tatsächlich das Nest beziehen, wäre das eine kleine Sensation. Die Schaephuysener hatten vor einigen Jahren eigens für ihre geliebte "Luzie" ein neues Nest aufgestellt. Doch das eigensinnige Vogelweibchen wollte dieses Domizil nie beziehen.

Quelle: RP
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