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Moers
Pogromnacht: "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt"

Moers. Die evangelische Stadtkirche Moers, Klosterstraße 5, veranstaltet am Donnerstag, 10. November, um 19.30 Uhr eine Musikalische Lesung mit Gedichten von Selma Meerbaum-Eisinger. An diesem Tag werden jahrzehntelang verschollene Gedichte der jungen Lyrikerin vorgestellt. Anlass ist das Gedenken an die Progromnacht 1938. Von Fiona Janssen und Mara Kaesmacher

Ursula Jung, Heike Kehl, Pia Kehl, Hartmut Herlyn, Okko Herlyn führen durch die eintrittsfreie Veranstaltung. Der Titel der Lesung, "Ich bin in Sehnsucht eingehüllt", erinnert an das Schicksal der jungen Frau, die ihre Gedichte im Alter von 15 bis 17 Jahren schrieb. Selma Meerbaum-Eisinger wurde am 5. Februar 1924 in Czernowitz, Rumänien, geboren. Schon früh begann sie sich für Lyrik zu interessieren. Ihre Vorbilder Rilke, Heine und Tagore inspirierten sie dazu, ihre eigenen Gedichte zu verfassen. Sie wurde 1941 gezwungen, mit ihrer Familie im Ghetto der Stadt Czernowitz zu leben. Darauf folgte die Deportation im Juni 1942. Selma starb entkräftet am 16. Dezember 1942 im Zwangsarbeitslager Michailowka in der Ukraine.

Ihre Gedichte handeln von Sehnsucht, Hoffnung, Lebenswillen und befassen sich gleichzeitig mit Themen wie dem Erwachsenwerden, der ersten Liebe, dem Tod und der Trauer. Diese Gefühle spiegeln sich in dem Gedicht "Spürst du es nicht " wieder:

"Spürst du es nicht . . .

Spürst du es nicht, wenn ich um dich weine,

bist du wirklich so weit?

Und bist mir doch das Schönste, das Eine,

um das ich sie trage, die Einsamkeit."

Sie widmete ihre sorgfältig mit Füller geschriebenen Verse ihrer ersten großen Liebe Lejser Fichman. Ihre Gedichte durchlebten einen langen Wiederentdeckungsprozess.

Hersch Segal, Selmas ehemaliger Klassenlehrer, veröffentlichte nach dem Krieg insgesamt 400 Exemplare aus der Nachlassschaft als Privatdruck. Lange gerieten ihre Werke in Vergessenheit. Erst 1968 wurde ihr Buch neu in der DDR veröffentlicht. Dadurch bekamen ihre Gedichte viel Aufmerksamkeit und wurden zahlreich verkauft. Durch ihre Verse bekommt der Leser die Chance, sich in Selma und ihre Situation hinein zu versetzen.

Die evangelische Kirchengemeinde lädt die Zuhörer dazu ein, die inzwischen zur lyrischen Weltliteratur zählenden Texte von Selma Meerbaum-Eisinger wieder zu entdecken.

Quelle: RP
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