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Unsere Woche
Politisches Eigentor aus dem Abseits

Moers. Gabriele Kaenders ist bei den Linken als Fraktionsvorsitzende unerwünscht. Die Zukunft der Partei in Moers sieht nun finster aus.

Man stelle sich mal vor, eine Fußballmannschaft in einer unteren Liga würde ihren Mittelstürmer, der Woche für Woche ein Tor nach dem anderen schießt, feuern und als Begründung anführen, dass der Sportsfreund sich gelegentlich nicht an die einstudierten Spielzüge gehalten habe und darüber hinaus dabei gesehen worden sei, wie er mit Spielern der gegnerischen Mannschaft ein Bier getrunken habe.

Nichts anderes ist in dieser Woche in der dreiköpfigen Fraktion der Linken geschehen. Die beiden Fraktionsmitglieder Brigitte Hübel und Heiner Napp haben bei der turnusmäßigen Neuwahl des Fraktionsvorstandes statt der langjährigen Fraktionsvorsitzenden Gabriele Kaenders (65) den ein Jahr jüngeren Heiner Napp zum neuen Vorsitzenden mit Hübel als Stellvertreterin gekürt.

Dazu muss man wissen, dass, wieder in die Fußballsprache übersetzt, Napp und Hübel eher zu jenem Spielertyp zählen, den man im Fachjargon als Rumpelfußballer bezeichnen würde, Markenzeichen: Drischt gerne freistehend im Fünfmeter-Raum den Ball übers Tor, während Kaenders politische Tore ihren Ortsverband in den vergangenen Jahren verlässlich vor dem Abstieg bewahrt haben.

Was aber kann die beiden Linken bewogen haben, Kaenders kaltzustellen, was werden die Auswirkungen für das Gefüge im Moerser Rat sein? Der Verweis von Napp auf Differenzen in der Kulturpolitik ist sicher nicht ganz falsch. Die gelernte Finanzbeamtin Kaenders stand auf dem Standpunkt, dass bei knappen Kassen das in die Kultur investierte Geld möglichst vielen Moerser zugute kommen sollte, während sich Hübel offenkundig in ihrer Position als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Kultur GmbH wohl fühlte und die Kritik Kaenders als störende Querschüsse empfand.

Dass Kaenders aber auch zu große CDU-Nähe vorgeworfen wurde überrascht denn doch, da Hübel ihren Posten letztlich der CDU verdankt und die Fraktion in alle Absprachen eingebunden war.

Ist die Motivlage am Ende nicht vielleicht viel simpler? Neid auf die im Rampenlicht stehende Kaenders? Und vielleicht auch auf die Zuwendungen, die einer Fraktionsspitze zustehen? Kaenders hatte nach eigenem Bekunden zuletzt rund 1000 Euro pro Monat Aufwandsentschädigung erhalten. Das Geld steht nun Napp zu, der demnächst in Rente gehen möchte.

Anzunehmen, dass die Bürger beiden bei den nächsten Wahlen die Rote Karte zeigen werden. Es steht zu befürchten, dass diese Linken das als Kompliment missverstehen.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

Quelle: RP
 
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