| 00.00 Uhr

Moers
Predigt gegen verhärtete Jagd-Fronten

Moers. Tierschutz und Jagd müssten keine Widersprüche sein, erklärte Norbert Derrix in der Schaephuysener Hubertusmesse. Von Peter Gottschlich

Im Vorfeld des Hubertustages, der am 3. November oder am darauffolgenden Sonntag gefeiert wird, hatte Thomas Schröder bundesweit Munition gegen die Hubertusmessen geladen. "Dass die Kirchen hier ,Schützenhilfe' leisten und das jagdliche Treiben auf diese Weise billigen, ist nicht hinnehmbar", hatte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes zur Attacke gegen den Brauch geblasen, Gottesdienste eingerahmt mit Jagdhörnern zu feiern. "Hubertusmessen sind der kirchliche Segen für das Töten von Millionen von Wildtieren."

Pfarrer Norbert Derrix hatte gelassen auf diesen Vorwurf reagiert. "Unsere Kirche in Schaephuysen ist nach dem Heiligen Hubertus genannt", hatte er auf die Jagd auf die Hubertusmessen entgegnet. "Schon das verpflichtet. Es geht in erste Linie um den Kirchenpatron." Dieser sei nicht nur Patron der Jäger, sondern auch der Optiker, Mathematiker und Kürschner sowie aller, die mit Metallen arbeiteten. Zudem sei die Hege die erste Aufgabe der Jäger, und nicht die Jagd (die RP berichtete).

In seiner Predigt in der Hubertusmesse am vergangenen Sonntag griff er den Gedanken auf, auf den Heiligen zurückzugehen. "Hubertus hat das weltliche Vergnügen gelebt", sagte Norbert Derrix vor 200 Gläubigen in der St.-Hubertus-Kirche in Schaephuysen. "Er hat gejagt. Doch dann wurde er vom Sockel gehauen. Er hat sich verrücken lassen in die wirkliche Wirklichkeit." Das "Verrückenlassen" sei das Entscheidende, führte der Pfarrer weiter aus. "Das, was verhärtet ist, kann nicht wachsen", schlug er einen Bogen, um das verhärtete Denken zu beenden. "Nur Menschen, die nicht verhärtet sind, können aufeinander zugehen und etwas bewirken. Tierschutz in allen Ehren, aber auch Jagd in allen Ehren. Dabei ist Jagen kein sinnloses Herumballern, sondern vor allem Hege." Die Autos auf den Bundesstraßen würden mehr Wildtiere töten als die Jäger, gab der Pfarrer zu bedenken.

Einige Gottesdienstbesucher klatschten sogar, als er seine Predigt beendet hatte, obwohl Klatschen während eines Gottesdienstes eigentlich als Tabu gilt. Dann genossen sie die weitere Hubertusmesse, die musikalisch von dem Bläsercorps Kempener Land und dem Männergesangsverein Cäcilia Schaephuysen begleitet wurde.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moers: Predigt gegen verhärtete Jagd-Fronten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.