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Moers
Publikum erlebt die Wandlung von Saulus zu Paulus

Moers. Der Moerser Kammerchor führte das "Paulus"-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Stadtkirche auf. Von Jan Caspers

Felix Mendelssohn Bartholdy hat mit "Elias" und "Paulus" zwei große Oratorien für Solisten, Chor und Orchester komponiert. Das "Paulus"-Oratorium steht allerdings oft im Schatten der ungleich bekannteren "Elias"-Komposition. Seit Beginn des Jahres hat sich der Moerser Kammerchor intensiv mit dem "Paulus"-Oratorium beschäftigt und brachte das Werk am Samstagabend in der Moerser Stadtkirche zur Aufführung. Begleitet wurde der Chor unter der Leitung von Dirigent Klaus-Peter Pfeifer dabei von Musikern der "Camerata Louis Spohr" aus Düsseldorf.

Die Solostimmen waren mit der Sopranistin Katharina Leyhe, der Altistin Esther Borghorst, dem Tenor Mark Heines und dem Bass Gregor Finke hervorragend besetzt. Insbesondere Katharina Leyhe beeindruckte das Publikum mit ihrer ungemein weichen und warmen Sopranstimme. Felix Mendelssohn Bartholdy, der ein begeisterter Anhänger der barocken Oratorien von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach war, ließ sich von seinem Freund Julius Schubring einen Text aus Bibelzitaten und Chorälen aus dem Gesangbuch schreiben, zu denen er dann die Musik komponierte.

So wird bereits in der Ouvertüre die berühmte Bach-Kantate "Wachet auf, ruft uns die Stimme" musikalisch zitiert, die im späteren Verlauf des Oratoriums noch einmal als Choral erklingt. Die Solisten, der Chor und das Orchester arbeiteten die unterschiedlichen Passagen des Werkes, das teilweise seine barocken Vorbilder imitiert und an anderen Stellen eine ausgesprochen romantische Klangsprache entwickelt, die fast volksliedhafte Züge trägt, überaus präzise heraus.

Sanfte und lyrische Arien wechselten mit kraftvollen und dramatischen Chorgesängen. Die Tatsache, dass der Moerser Kammerchor das "Paulus"-Oratorium ausgerechnet im Jahr des Reformations-Jubiläums aufführt, ist dabei kein Zufall. Für Martin Luther war die Figur des Paulus, der als Saulus die Christen verfolgt hat, nachdem Gott zu ihm sprach selbst zum Christentum fand und schließlich für seinen neuen Glauben sterben musste, von zentraler Bedeutung. So bezog sich Luther bei seinem Widerspruch gegen die Lehrmeinung der damaligen Amtskirche ausdrücklich auf Textstellen aus dem Römerbrief des Paulus, der als einer der "Gründer" des Christentums gilt, und leitete somit die Reformation ein.

Quelle: RP
 
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