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Holger Ehrich, Künstlerischer Leiter
Publikumslieblinge gratulieren zum 40.

Moers. Comedy Arts feiert einen runden Geburtstag: Das wird vom 22. bis 25. September in der Festivalhalle gefeiert. Festivalchef Holger Ehrich erfüllt sich zum Jubeltag einen Herzenswunsch und konzipierte eine nicht ernst gemeinte Ausstellung.

Herr Ehrich, wann waren Sie eigentlich zum ersten Mal auf dem Comedy Arts Festival in Moers?

Holger Ehrich Das muss 1992 gewesen sein. Das Festival fand auf jeden Fall noch im Schlosshof statt. Ich erinnere mich sehr gut daran, weil damals einer meiner Lieblingskünstler dort auftrat: Les Bubb, ein Slapsticker. Es war eine dieser typischen Schlosshof-Nächte, die oft überlang dauerten. Zwei Polen hatten damals die undankbare Aufgabe, ganz am Ende zu spielen. Ich traf sie übrigens 20 Jahre später auf einem Festival in Korea wieder, zu dem wir eingeladen waren.

Waren Sie 1992 selbst schon als Comedian auf deutschen Bühnen unterwegs?

Ehrich Ich war damals 24 und unternahm meine ersten Gehversuche als Comedian. Als Anfänger war es für mich nur ein Traum, einmal dort auftreten zu können. Comedy Arts war damals eines der wenigen Festivals, das von einem innovativen Geist geprägt war.

Comedy Arts wird 40. In welche Richtung hat sich das Festival entwickelt?

Ehrich Tja, die Bezeichnung Comedy hat in den letzten Jahren eine skurrile Karriere gemacht. Als Comedy Arts erfunden wurde, war es noch ein unbesetzter Begriff. Heute versteht man darunter leider fast nur noch Stand-up-Comedy. Damals war Comedy viel breiter gefasst, und wir versuchen, das heute noch zu verkörpern. Es gibt eine so große Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten und Genres: Sie reicht von der Artistik und Clownerie bis hin zur hemmungslosen Albernheit. Sie kann aber auch tragikomisch sein. Deshalb stellen wir im Gegensatz zu anderen Veranstaltern lieber das Wort "Arts" in den Vordergrund.

Und wo steht Comedy Arts heute?

Ehrich Werner Schrick war Vorreiter einer Bühnenkomik, die Formen jenseits der damals dominierenden Genres, etwa dem politischen Kabarett oder dem Boulevardtheater, suchte. Das haben sich die Leute, also andere Veranstalter, in Moers abgeguckt. Unser Festival folgt diesem Qualitätsanspruch. Es erfindet sich immer wieder neu und hängt keiner Tradition nach. Wir greifen Trends auf, und unsere Zuschauer lassen sich noch immer gerne von uns überraschen. Der Umzug in die Festivalhalle hat uns zwar nicht die erhoffte finanzielle Entlastung gebracht, die Performances kommen in der Halle aber viel intensiver und komprimierter rüber. Für die Zuschauer ist das ein Gewinn.

Wie werden Sie den 40. Geburtstag vom 22. bis 25. September feiern?

Ehrich Wir haben einige der Publikumslieblinge zum Jubiläum eingeladen. Ingo Oschmann, der auch als Zuschauer das Festival regelmäßig besucht und dieses Jahr wieder einen Abend moderiert, wird dabei sein. Die Publikumslieblinge "Men in Coats", Pete Sweet und Karl-Heinz Helmschroth kommen mit neuen Shows nach Moers zurück. Wir lassen uns mal überraschen, ob die Künstler dem Comedy Arts Festival ein Ständchen bringen werden. Anstatt einer Jubelfeier wollen wir aber zum Geburtstag lieber eine etwas andere Ausstellung in das Grafschafter Museum bringen.

Sie erfinden Geschichte neu.

Ehrich Die Ausstellung ist für mich ein Herzensprojekt, das wir uns jetzt einfach mal gönnen. Ich trage die Idee schon lange mit mir herum. Im ganzen Museum decken wir die geheime Humorgeschichte einzelner Exponate auf. So beweisen wir, dass schon seit 2000 Jahren Moers überdurchschnittlich viel Humor hatte. Dazu kommen einige gefälschte Exponate - teilweise erstellt von Akteuren der heutigen Moerser Kultur. Die Installationen werden in die ständige stadthistorische Ausstellung integriert. Es handelt sich sozusagen um eine satirische Ausstellung in der Ausstellung. Museumsleiterin Diana Finkele war begeistert von der Idee, so dass wir den ganzen Ausstellungsbereich nutzen können, um unsere Stücke zu präsentieren. Die Eröffnung der Ausstellung ist für den 9. September geplant. Sie läuft bis zum 31. Oktober.

Das Special mit Eckart von Hirschhausen am Donnerstag, 22. September, dürfte für das Festival auch ein Geburtstagsgeschenk sein?

Ehrich Ich kenne ihn schon aus früher Zeit, als ich in seiner Comedy-Sprechstunde in Berlin aufgetreten bin. 2007, als ich die künstlerische Leitung des Comedy Arts Festivals übernommen habe, hatte ich ihn für einen Auftritt angefragt. Das hatte leider nicht geklappt. Danach ging sein Stern so richtig auf, so dass er keine Zeit mehr hatte. Ich freue mich, dass es jetzt gelungen ist, ihn nach Moers zu holen. Zumal er gerne zugibt, dass er schon immer einmal auf unserem Festival gastieren wollte.

Was wünschen Sie dem Comedy Arts Festival zum 40. Geburtstag?

Ehrich Ich wünsche uns eine besser technisch ausgestattete Festivalhalle, so dass wir nicht so viel Ausrüstung zusätzlich anmieten müssten. Das würde uns finanziell sehr entlasten, aber daran wird ja gearbeitet. Und mehr Geld fürs Festival wäre auch wünschenswert. Unser Budget ist sehr klein. Ohne unsere 100 ehrenamtlichen Helfer wäre dieses Festival nicht zu stemmen. Wir werden irgendwann an den Punkt kommen, an dem wir uns fragen müssen, wie es weitergehen soll.

www.comedyarts.de

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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