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Moers
Radler erkunden Vergangenheit der Stadt

Moers: Radler erkunden Vergangenheit der Stadt
Im Fokus der Führung standen die Stolpersteine, die Künstler Gunter Demnig in Moers verlegt hatte. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Per Fahrrad erkundeten Moerser gestern die Vergangenheit. Die Führung zu Stolpersteinen in Hochstraß wurde vom Verein "Erinnern für die Zukunft" organisiert. Die Stolpersteine, kleine, in das Pflaster eingelassene Messingplatten, sollen an Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

An von fünf Stationen führte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Bärbel Likar, die Teilnehmer. Erste Etappe war die Augustastraße. Vor der Gaststätte Bierdoktor strahlt ein blank polierter Stolperstein in der Sonne, für den das Mercator-Berufskolleg die Patenschaft übernommen hatte. Eingraviert ist meist Name, Geburtsjahr und Jahr der Festnahme und Todesort und -art.

In dem Haus an der Augustastraße war vor 70 Jahren eine hochschwangere Frau mit ihrer dreijährigen Tochter aufgegriffen und verschleppt worden. Der Grund: Sippenhaft. Ihr Mann soll damals zum Feind übergelaufen sein, dafür musste die Familie büßen. "Das geht uns etwas an, bis heute", sagt Bärbel Likar. Sie berichtete nicht nur über die Opfer, sondern auch über die Verlegung der Stolpersteine in den vergangenen beiden Jahren. Mit Fotos dokumentierte sie die Verlegung durch Künstler Gunter Demnig und viele helfende Hände. Auch Grundschulkinder würden so mit einbezogen.

Weiter ging es zur Lotharstraße, ein Arzt sei dort von seinen Nachbarn denunziert worden, weil er sich gegen den Hitlergruß aussprach. Auch weitere Stationen an der Kirschenallee, an der Lindenstraße und der Ruhrstraße stehen auf dem Programm, bevor die Tour an der Homberger Straße endet.

An jedem Ort gibt es neben Informationen auch Dialoge. Sie habe die Stolpersteine schon oft gesehen, sagt eine Teilnehmerin. "Da läuft man sonst einfach so drüber. Jetzt denkt man darüber aber auch nach." Auch die Nachbarn seien immer sehr interessiert, weiß Bärbel Likar. Hinzu komme, dass mache Nachkommen erst durch Anfrage der Vereine erfahren, was ihren Verwandten damals widerfuhr. Der Künstler Gunter Demnig hat bereits 50 000 Stolpersteine verlegt. Das hat Wiedererkennungswert, sagt Hans-Helmut Eickschen, der mit von der Partie ist. Es kommt auch die Diskussion darüber auf, ob man mit dem Bürgersteig den richtigen Ort wählt. Manche Nachkommen argumentieren: "Wir wollen nicht, dass über unseren Namen getrampelt wird". Das müsse man dann akzeptieren. "Es ist im Grunde eine Verbeugung vor den Opfern", sagt Bärbel Likar. Denn Interessierte müssen sich ja herunterbeugen, um die Inschrift zu lesen. Die Fahrradführung war ein Teil der Veranstaltungsreihe zum Kriegsende im Altkreis Moers vor 70 Jahren.

(BL)
 
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