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Polizei sucht Zeugen
Rätsel um Schüsse auf Wohnungsfenster in Moers

Polizei sucht Zeugen: Rätsel um Schüsse auf Wohnungsfenster in Moers
Hier hat der Schuss eingeschlagen. FOTO: Dieker, Klaus
Moers. Unbekannte haben in der Nacht zu Sonntag in die Wohnung einer fünfköpfigen Familie in Moers-Schwafheim geschossen. Schon im Juli hatte ein Projektil die Fensterscheibe durchschlagen. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung. Von Josef Pogorzalek

Hatice und Kemal C. (Namen geändert) haben Angst um ihr Leben und das ihrer drei Kinder. "Wir haben einen Feind, aber wir wissen nicht, wer es ist", sagt die 32-Jährige. Die Familie lebt in einem Mietwohnung im Parterre eines Hauses an der Altdorfer Straße in Schwafheim. Jemand hat in der Nacht zum Sonntag durch das Wohnzimmerfenster geschossen. Und das nicht zum ersten Mal. Schon an einem Samstagabend im Juli, gegen 23 Uhr, hatte eine Kugel die Fensterscheibe durchgeschlagen, das Wohnzimmer durchquert und blieb im Flur in einem Bild stecken. Die fünfköpfige Familie entdeckte den Anschlag, als sie von einem Kinobesuch zurückkam. "Seither lassen wir abends immer die Rollos runter", sagt Kemal C.

Davon ließen sich die unbekannten Schützen am Sonntag nicht abhalten. Diesmal ging das Geschoss durch die Kunststoff-Jalousie und den Fensterrahmen, prallte gegen die Wohnzimmerdecke und eine Wand und blieb auf dem Esstisch liegen. Das Ganze muss sich kurz vor zwei Uhr nachts abgespielt haben. Nach Angaben der Polizei haben Anwohner gegen 1.50 Uhr ein Schussgeräusch gehört. Um diese Zeit schlief die Familie. Bis gegen eins hatten Hatice und Kemal C. allerdings noch im Wohnzimmer vor dem Fernseher gesessen. Den Einschuss bemerkte das Ehepaar erst nach einiger Zeit am nächsten Morgen. Die Schäden an der Wohnzimmerdecke und der Wand waren ihm zunächst gar nicht aufgefallen. Und das Projektil auf dem Tisch – es wurde erst gefunden, nachdem die Polizei da war. "Es lag unter einer Einkaufstüte, die auf dem Tisch war", sagt Kemal C.

Die Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung. Die Duisburger Kripo hat eine Mordkommission gebildet. Es sei davon auszugehen, dass jemand gezielt auf das Fenster geschossen habe, sagt Staatsanwalt Arne Kluger. "Es wäre ein erstaunlicher Zufall, wenn ein Querschläger zweimal dasselbe Fenster getroffen hätte." Derzeit versuchen die Ermittler, die Hintergründe und Motive der Tat zu klären. Das Ehepaar C. hat keine Ahnung, warum ihnen jemand Böses antun sollte. Hatice C. ist als Vierjährige mit ihrer Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Ihr Mann lebt seit 2004 in der Bundesrepublik. "Wir sind eine ganz normale Familie, wir sind nicht besonders religiös, wir handeln nicht mit Drogen und tun niemand etwas zuleide", sagt die 32-Jährige. Sie ist Hausfrau und Mutter, kümmert sich um ihre Kinder, ein Mädchen und zwei Jungen im Grundschulalter. Kemal C. hat sich als Küchenmonteur selbstständig gemacht. "Zurzeit nehme ich aber keine Aufträge an", sagt er. "Ich möchte bei meiner Frau und meinen Kindern sein."

Die Hülse der am Sonntag abgefeuerten Kugel lag mitten auf der Straße vor dem Wohnzimmerfenster. Es sei möglich, dass der Schuss aus einem fahrenden Auto abgegeben wurde, sagt Kemal C. Eine Nachbarin habe zur Tatzeit einen hellen Wagen beobachtet. In ihrer Angst versucht die Familie jetzt, die Straße möglichst ständig im Blick zu behalten. "Wir wollten sogar auf dem Balkon eine Überwachungskamera installieren, aber die Polizei sagt, dass wir das nicht dürfen, weil die Straße öffentlicher Raum ist."

Am liebsten möchte die Familie nun so schnell wie möglich umziehen. "Aber wer soll uns eine Wohnung geben?", sagt Hatice C. "Wenn Vermieter hören, dass zweimal auf uns geschossen wurde . . ."