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Moers
Repelen steht unter Schock

Moers: Repelen steht unter Schock
In diesem Haus starben in der Nacht auf Mittwoch eine Frau und drei Kinder. FOTO: RPO
Moers. Eine 34-jährige Mutter sowie ihre drei Kinder im Alter von ein, drei und fünf Jahren sind in der Nacht zu Mittwoch bei einem Wohnungsbrand in Repelen ums Leben gekommen. Die Ursache des Feuers steht noch nicht fest. Von Christian Schroeder

Als am Morgen die ersten Bilder von der Katastrophe im Fernsehen liefen, wussten viele Repelener längst Bescheid, waren bereits zur Unglücksstelle geeilt. Einige hatten gestern noch im Blumengeschäft Hoffmann eingekauft und die Familie mit ihren Kindern gesehen. Jetzt sind Verena (34), Tristan (5), Laura-Loreen (3) und Nina-Miriam tot. Eine unfassbare Katastrophe hat sich mitten im Ortskern an der Lintforter Straße abgespielt. Nur der 34-jährige Familienvater Michael H. überlebte.

Ein Ort steht unter Schock: Fassungslos gingen gestern Abend Anwohner an der abgesperrten Ruine vorbei, Familien mit Kindern, viele hatten Tränen in den Augen. Etliche Menschen zündeten Kerzen an und legten Blumen ab. Blumen vor einem ausgebrannten Blumengeschäft.

Verwinkelte Räumlichkeiten

Gegen 0.54 Uhr am frühen Mittwochmorgen alarmierten Nachbarn die Feuerwehr. Der Dachstuhl des Blumenladens würde brennen. Der 34-Jährige hatte sich schon auf die Straße gerettet, als die Wehrleute eintrafen. Sie versuchten zunächst, über die Drehleiter durch die Fenster in die Wohnung zu gelangen, gleichzeitig drangen sie von hinten vor.

Ein Teil der Wohnung liegt ebenerdig in einem angebauten Hinterhaus. "Wir mussten uns den Weg regelrecht frei löschen", sagt Feuerwehrmann André Gesthuysen. "Es kam zu einer heftigen Durchzündung." Die Retter brachten sich selbst in Gefahr, zwei Feuerwehrleute verletzten sich leicht. Im ebenerdigen Schlafzimmer im Hinterhaus fanden die Retter dann die Leichen der Mutter und des einjährigen Kindes, oben die der anderen beiden Kinder.

Am frühen Morgen trafen Brandermittler der Polizei ein, die die völlig zerstörte Ruine durchsuchten. Zur Feuerursache konnte die Polizei bis gestern Abend nichts sagen. Sie brach die Ermittlungen am frühen Abend ab und wird sie heute Morgen wieder aufnehmen. Brandstiftung scheint aber wohl genauso auszuscheiden wie die Möglichkeit, ein Erdstoß unter Repelen gegen 0.38 Uhr könnte mit dem Feuer etwas zu tun haben. Die Menschen diskutierten bereits, ob Brandmelder die Familie gerettet hätten. Neben dem Moerser Bürgermeister Norbert Ballhaus und dem Landrat des Kreises Wesel, Dr. Ansgar Müller, traf am Vormittag auch NRW-Innenminister Ingo Wolf ein, der sich ein Bild vom Ort der Tragödie machte.

Der nur leicht verletzte 34-jährige Michael H. wurde im Moerser Bethanien-Krankenhaus medizinisch und seelsorgerisch betreut. Kripo-Beamte schirmten das Patientenzimmer ab. Zugang hatten nur direkte Verwandte, etwa die Eltern des Mannes, die Inhaber des jetzt zerstörten Blumenladen unter der Wohnung. Gestern Abend wurde der 34-Jährige in ein psycho-traumatologisches Zentrum nach Krefeld verlegt, wo er stabilisiert werden soll. "Etwas Schlimmeres, als ihm passiert ist, kann man sich kaum vorstellen", sagt Dr. Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses.

Die seelsorgerische Betreuung am Krankenbett hatte gestern Uwe-Jens Bratkus-Fünderich übernommen, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Repelen. Er kennt die Familie H. sehr gut. Der Pastor hatte eines der getöteten Kinder getauft.

Die Todesursache der vier Opfer steht seit Donnerstag fest. Sie starben an einer Rauchgasvergiftung, wie die Polizei mitteilte. Dies hätten gerichtsmedizinische Untersuchungen ergeben, hieß es.

Quelle: RP
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