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Moers
Riesenpilze am Silbersee

Moers: Riesenpilze am Silbersee
Irmin Kamp mit ihren Studenten Anne-Katrin Puchner (links), Thomas Woll und Fleur Stoecklin, die zurzeit auf Nepix Kull eine Installation errichten. FOTO: RPO
Moers. Mit der fünften Werkschau ist dem Seewerk ein ganz besonderer Coup gelungen: Nach 20 Jahren Pause stellt Kunstakademie-Professorin Irmin Kamp erstmalig wieder ihre Plastiken aus. Felix Droese zeigt wandhohe Collagen. Von Heribert Brinkmann

„Plastiken am Silbersee“ heißt die Ausstellung, die das Seewerk mit Werken von Irmin Kamp am nächsten Samstag am Silbersee eröffnet. Zum Teil gibt es auch Plastiken auf dem Silbersee, denn gestern beim Presserundgang wurden gerade die fünf „Zwiebeltürme“, eine Arbeit aus dem Jahr 1971, zu Wasser gelassen. Für die 68-jährige Künstlerin ist es die erste Ausstellung ihrer plastischen Arbeiten seit 20 Jahren. Die Arbeiten aus den 70er  und 80er Jahren waren in einer Scheune in Barrenstein bei Grevenbroich gelagert – und mussten erst einmal restauriert werden. Nachdem das Seewerk im vergangenen Jahr Werke ihrer Studenten ausstellte, ließ sie sich zu einer eigenen Werkschau bewegen. Ja, mehr noch: Es entstanden zwei neue Plastiken. „Black Rock, Tobago“ ist ein zweiteiliger Felsabdruck aus der Karibik, und die „große Silberne, Hommage à Kricke“ ist ein Abdruck einer Palme in einem Spiegelhügel.

Alles kann in Plastiken umgeformt werden. Die Hauben bayrischer Zwiebeltürme, Pilze, Schildkrötenpanzer, Wellen in der Karibik oder die Rübenmieten der Bauern am Niederrhein. Die Form wird abgenommen oder abstrahiert, meist vergrößert und in Kunstharz gegossen. Jetzt stehen sieben schwarze Pilze am Ufer des Silbersees, gelb-schwarze Flammen züngeln vor der alten Dujardin-Fabrik.

Installation auf der Kunstinsel

Drei ihrer Studenten hat die 2006 emeritierte Professorin für ein weiteres Projekt ausgesucht. Das Seewerk kooperiert erstmals mit dem Kulturbüro der Stadt. Die drei Studenten errichten auf der Kunstinsel Nepix Kull eine Installation, die auf die Geschichte vor Ort eingeht.

Die gesamte Ausstellung im Seewerk bietet mehr, als in einen Artikel passt. Auch der Besucher braucht Zeit, um alle Räume und die dort gezeigten Werke in Augenschein zu nehmen. In der großen Halle hängen Felix Droeses aus schwarzem Fotokarton ausgeschnittene Figuren „Einheit aus Anti-Terror und Anti-Theorie“ aus den Jahren 1992 und 2000. Der Reigen der Figuren, die an einem Infusions-Ständer hängen, wirkt bedrohlich. Irmel Droese steuert eine Serie von Zeichnungen und Nähbildern bei, die sich mit der Mutter-Kind-Beziehung auseinandersetzen.

Edith Oellers setzt isolierte Figuren und Landschaften in neuen Zusammenhängen zusammen – China, Düsseldorf und Istanbul auf einer Leinwand. Zu entdecken sind die surrealen Phantasien des jungen Amerikaners Joe Sracic, Meisterschüler und Assistent des verstorbenen Jörg Immendorff. Prof. Jörg Eberhard bringt Alltagsgegenstände wie eine Geige, ein Buddha-Kopf, Amphoren oder Computer-Bildschirm malerisch in imaginäre Räume ein. Frank Göllmann hat passend zum Silbersee eine Video-Wasser-Klang-Installation geschaffen. Der Finne Jari Banas beschwört liebe Dämonen. Auch zwei Moerser sind dabei: Ingeborg Schmidthüsen mit ihren wunderbaren Papierarbeiten aus Zeitungen und Büchern sowie Ivica Matijevic mit ausgefallenen Holzobjekten.

Quelle: RP
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