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Moers
Römerstraße: Anwohner über Flüchtlinge nicht informiert

Moers. In dem Wohnblock will die Stadt 30 Wohnungen anmieten. Die Mieter kennen bislang allerdings nur Gerüchte.

Vor dem Wohnblock Römerstraße 507 fährt ein Kleinbus vor und hält. Menschen steigen aus. Die Frauen tragen Kopftuch. Im Haus wird eine Gardine zur Seite geschoben. "Sind sie das schon?" Nein, sind sie nicht. Die Menschen steigen wieder in ihr Auto und fahren weiter. Doch schon in wenigen Wochen werden Autos vorfahren, deren Bewohner vorerst bleiben werden. Die Stadt hat mit der Besitzerin des Wohnblocks einen Vertrag über die Anmietung von 30 Wohnungen geschlossen. Dort sollen bis zu 130 Flüchtlinge einziehen. "Die Lage ist ideal", sagt ein Sprecher der Stadt. "In der Nähe gibt es Bushaltestellen, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten, und der Bunte Tisch ist auch nicht weit weg." Zudem seien die Wohnungen ideal, um dort Familien unterzubringen. Doch will sich die Stadt nicht darauf festlegen, dass dort tatsächlich Familien einziehen werden: "Das hängt ganz von den Zuweisungen ab, die wir bekommen", heißt es.

All das sind Informationen, die den Mietern bislang vorenthalten wurden. Viele sind es nicht mehr. Nach RP-Informationen sollen in dem Haus nur noch sieben Familien leben. "Gerade ist wieder eine Familie ausgezogen", sagt eine Frau, die dort seit über zehn Jahren wohnt. Ob das wegen des Flüchtlingszuzugs geschah, ist unwahrscheinlich. In die Gebäude ist nicht mehr viel investiert worden. Entsprechend hoch war der Leerstand. Deshalb wunderten sich die Mieter, als vor drei Monaten Männer mit Bauplänen herumliefen und kurz darauf Handwerkerkolonnen anrückten.

Von ihnen erfuhren die Mieter, was sie ihrer Meinung nach eigentlich von der Stadt hätten erfahren müssen: Dass die Verwaltung plant, die leerstehenden Wohnungen als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen. Die Stadt verweist darauf, dass die Neuankömmlinge erst in vier bis acht Wochen einziehen werden. Kurz zuvor werde man die Mieter in Kenntnis setzen. So dürften diese erst zwei bis drei Wochen vor dem Einzug erfahren, dass im Hochhaus auch ein Büro als Anlaufstelle für die Flüchtlinge untergebracht werden soll. Nur einen Kilometer entfernt plant die Stadt die Umwandlung der ehemaligen Germendonschule in eine Flüchtlingsunterkunft für 250 Menschen. Dort hat sich eine Bürgerinitiative gebildet: nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen die Informationspolitik der Stadt und die als unzureichend empfundene Einbeziehung der Betroffenen. Die Proteste aus der Eigenheimsiedlung fanden durchaus Gehör. Man darf gespannt sein, wie man mit den Sorgen der Mieter aus den Sozialwohnungen umgehen wird.

(ock)
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