| 17.15 Uhr

Berufskolleg in Moers
Säure-Anschlag in Schule - 20 Verletzte

Moers: Buttersäure in Berufskolleg ausgetreten
Moers. Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei in Moers am Berufskolleg für Technik: Ein unbekannter Täter hat übelriechende Flüssigkeit ausgekippt. Von Jürgen Stock

Es ist kurz vor zehn Uhr am Vormittag, als Deutschlehrerin Meike Döhrn-zum Hasch einen beißenden Gestank in einem Flur des Berufskollegs für Technik bemerkt. "Sofort habe ich Brechreiz verspürt", berichtet die Lehrerin. Sie schaltet Schulleiter Peter Dischhäuser ein.

Der alarmiert die Rettungsleitstelle der Feuerwehr. Kurz darauf läuft einer der größten Einsätze der Moerser Rettungskräfte in den vergangenen Jahren an. 20 Schüler, die Mehrzahl zwischen 17 und 20 Jahren müssen medizinisch versorgt werden. 18 von ihnen werden mit Blaulicht in die umliegenden Krankenhäuser zur ambulanten Behandlung gebracht. "Ein übler Scherz" bilanziert wenige Stunden später Klaus Lawitzki von der Moerser Feuerwehr.

Ein unbekannter Täter hat zehn Milliliter einer unbekannten Säure im Flur vor einem Computerraum ausgekippt. Aufgrund des Geruches "wie alte Füße" tippt der Feuerwehrmann auf Buttersäure: "In hohen Konzentrationen kann das durchaus lebensbedrohlich sein." In der Moerser Schule habe aber keine Gefahr bestanden.

Moers: Feuerwehreinsatz am Berufskolleg FOTO: Christoph Reichwein

Dennoch waren die Folgen für die Betroffenen unangenehm genug: Schüler klagten über Atemwegsreizungen, Übelkeit und Kopfschmerzen. Da die Art der Chemikalie gestern noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestimmt werden konnte, veranlasste der Leitende Notarzt Dr. Frank Höpken, dass 18 Schüler ins Krankenhaus gebracht wurden. Dem Vernehmen nach sei bei einigen von ihnen intensive Überzeugungsarbeit nötig gewesen, da sie anfangs nicht ins Krankenhaus gehen wollten.

Während des Feuerwehreinsatzes lief der Unterricht in den meisten Klassenräumen normal weiter. "Ich habe davon erst etwas mitbekommen, als ich während einer Klassenarbeit zur Toilette wollte und der Zugang dorthin abgesperrt war", berichtet der angehende Maschinenbauschlosser Timo Jennrich. Nach Beendigung des Unterrichts wurden die Schüler gruppenweise um den abgesperrten Bereich herum geführt.

Die Feuerwehr entsorgte die stinkende Flüssigkeit mit einem Bindemittel und lüftete die angrenzenden Räume gründlich. Laut Auskunft der Schule soll es trotz des Zwischenfalls heute keinen Unterrichtsausfall geben.

Das Motiv für den Stinkbombenanschlag liegt bislang im Dunkeln. Sicher sei nur, so Schulleiter Peter Dischhäuser, dass die Flüssigkeit nicht aus der Schule stamme: "Wir haben hier nämlich keinen Chemieraum." Während des Anschlags seien 1200 Schüler im Kolleg anwesend gewesen. Die Einsatzkräfte umfassten 35 Feuerwehrleute, zwei Notärzte einen Notfallseelsorger und acht Polizisten.

Sollte der Täter ermittelt werden, kommen auf ihn ein Strafverfahren sowie Kosten in mindestens fünfstelliger Höhe zu.