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Moers
Sanfte Songs, tiefgründige Texte

Moers: Sanfte Songs, tiefgründige Texte
Christian Apel nennt sich als Sänger Hyppo. Am Freitag trat er im Bollwerk 107 auf und wurde gleich ein Motiv fürs Smartphone-Handy. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Beim vierten Terrassenkonzert am Bollwerk traten am Freitag die Singer-Songwriter Timo Brandt aus Hamminkeln und Hyppo aus Moers auf. Von Jana Marquardt

Später wird Christian Apel (21) alias Hyppo diesen Augenblick als den "schönsten des Abends" bezeichnen: Als er seinen letzten Song "Das bist du" auf der Terrasse des Bollwerks ankündigt, stürmt sein Sohn René (3) auf ihn zu, umarmt ihn. Hyppo sagt "Das bist Du" mit ihm gemeinsam an - ein Lied, das er für René geschrieben hat. "Du bist alles, was ich brauche und ich hoffe, das weißt du auch", heißt es darin. "Mein einziges fröhliches Werk", wie der 21-Jährige nach seinem Auftritt zugeben wird.

Jung ist Hyppo Vater geworden, "es war erst schwierig, ich hatte Zweifel, aber als René dann auf die Welt gekommen ist, war alles vergessen", sagt er. Musikmachen gehört vor der Geburt seines Sohnes zu seinem Leben, schon mit neun schreibt er seinen ersten Song "Brillenschlange mit Schnur". Doch während Renés erster Jahre arbeitet Hyppo kaum an Songs, konzentriert sich auf die neuen Herausforderungen als Elternteil. Im vergangenen Jahr überwiegt die Lust am Songschreiben wieder: Der Moerser verfasst einige Texte, in denen er seine Gefühle und Gedanken verarbeitet, aber auch Geschehnisse, die ihn in der Vergangenheit sehr beschäftigt haben. Dazu spielt er auf der Gitarre, ruhig und gefühlvoll. Im Refrain wird seine Stimme oft kräftiger, lauter. "Musik ist für mich Selbstreflexion", sagt er. Von Trennungen, zerbrochenen Freundschaften und traurigen Zeiten könnten die meisten Menschen wohl ein Lied singen - Hyppo tut es. Doch dabei soll es nicht bleiben: "René hat mich zu einem fröhlichen Song inspiriert - und davon möchte ich noch mehr schreiben", sagt der 21-Jährige.

Vielleicht inspiriert René bald auch Timo Brandt (38) zu einem neuen Lied: Dem kleinen Jungen scheint der Auftritt des Singer-Songwriters aus Hamminkeln sichtlich zu gefallen. Er sitzt auf einem Sitzsack vor Brandt, klatscht mit, jubelt am Ende eines jeden Songs. Nur wenn hinter dem Zaun, der das Bollwerk-Gelände von den Schienen trennt, ein beleuchteter Waggon vorbeirattert, ist er kurz abgelenkt.

Brandts Songs, auf Englisch, sind sanft, träumerisch - seine Stimme "ist ein bisschen wie die von James Blunt", findet Angelina Blaha (26) aus dem Publikum. "Sein Gesang ist super, perfekt für einen gemütlichen Abend auf der Terrasse", sind Blaha und ihr Freund Alex Srech (28) aus Duisburg sich einig. Auch Klaus Nellen (61) aus Moers sagt: "Das war leidenschaftlich und mitreißend, viel besser als ein Abend vor dem Fernseher."

Der Applaus der Gäste ist eindeutig: Brandts Musik kommt an. "Manchmal hält mich das Publikum aber auch für sehr emotional", gibt der Singer-Songwriter später amüsiert zu. "Auf einigen Videos, die ich ins Internet gestellt habe, gucke ich wohl traurig oder so. Ich wurde schon oft angesprochen, ob es mir denn gut ginge. Das belustigt mich jedes Mal." Der Song "Thanks, I'm fine", den er an diesem Abend spielt, handelt davon. René klatscht munter mit zu den ungewohnt schnellen und durchaus fröhlichen Klängen.

Quelle: RP
 
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