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Moers
Schraube locker? Ab zum Sozialkaufhaus

Moers: Schraube locker? Ab zum Sozialkaufhaus
Das Team der Fahrradwerkstatt (von links): Beate Haßheider, Sandy Friederich, Hubert Ritter, Jürgen Bäcker und Leiter Frank Heintel. FOTO: Stoffel
Moers. Die Tuwas Genossenschaft hat neuerdings eine Fahrradwerkstatt. Dort arbeiten Langzeitarbeitslose und richten Drahtesel her. Wer möchte, kann aber auch sein eigenes Fahrrad dort unter Anleitung selbst reparieren. Von Astrid Horlbeck

Die junge Frau mit dem klapprigen Damenrad hat Probleme mit ihrer Kettenschaltung. "Da geht gar nichts mehr", sagt sie und wirft Jürgen Bäcker (58) einen hilfesuchenden Blick zu. Der nimmt einen letzten Zug aus seiner Zigarette und schraubt das Rad in einem mitgebrachten Reparaturständer fest. "Vermutlich nur der Umwerfer", sagt er und greift zum Kreuzdreher. Das Wort "Umwerfer" sagt der Kundin offenbar wenig. Bäcker weist auf einen Hebel oberhalb der vorderen Zahnkränze. Die junge Frau lächelt hoffnungsvoll.

Es ist der erste Tag eines neuen Projektes der Tuwas Genossenschaft: Künftig soll jeder zweite und vierte Donnerstag im Sozialkaufhaus, Kronprinzenstraße 55, zum Fahrradtag werden. Gebrauchte Räder, die von Fachkräften geprüft oder in Ordnung gebracht wurden, werden dann von 10 und 18 Uhr verkauft. Zwischen 40 und 70 Euro kosten die verkehrstüchtigen Räder, die auf dem Hof auf ihre Käufer warten.

Zudem gibt es Beratung zum Thema Fahrrad. Radbesitzer können auch mit ihren defekten Rädern vorbeikommen und sie unter Anleitung reparieren. Die Beratung und Reparaturanleitungen sind kostenlos. Nur die Ersatzteile müssen selbst mitgebracht werden oder werden in Rechnung gestellt. "Alle Räder werden unter 100 Euro kosten", sagt Horst Manja, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft. "So sind sie erschwinglich für Menschen mit kleinem Geldbeutel." Das entspricht dem Ziel der sozialen Genossenschaft: Angebote für diejenigen zur Verfügung zu stellen, die nur über geringes Einkommen verfügen. Das zweite Ziel ist, Frauen und Männer in Langzeitarbeitslosigkeit auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die beiden Helfer, die Bäcker bei der Reparatur assistieren, hat der 58-jährige ehemalige Krupp-Schlosser geschult. Jürgen Bäcker selbst war vorher beim Arbeitslosenzentrum (Malz) in Moers für die Reparatur von Fahrrädern tätig. Eigentlich sollen die drei ihren Kunden ja nur bei der Reparatur helfen. Aber das Fahrrad der jungen Frau ist in einem Zustand, der jeden Laien erkennbar überfordert. "Das sieht nach einer Herzoperation aus", sagt Projektleiter Frank Heintel (52). Bäckers Diagnose: Die Schaltung ist hinüber. Eine Reparatur mit neuen Ersatzteilen wäre zu teuer. Immerhin kann das Team die Schaltung so einstellen, dass sich die Kette wieder dreht.

Fürchtet Tuwas eigentlich nicht den Unmut der Profi-Händler über die (Fast-)Gratis-Konkurrenz? Heintel schüttelt den Kopf: "Hier in der Nähe gibt es nur einen Händler, und der hat Räder in einem ganz anderen Preissegment."

Quelle: RP
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