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Moers
"Schwarzes Schaf": Zweiter Preisträger präsentiert sich in Moers

Moers. Rund 200 Gäste ließen sich am Montagabend auf ein Blind-Date im Kammermusiksaal des Martinstifts ein. Denn der Sieger des Kabarettpreises "Das schwarze Schaf", Sebastian Nitsch, der hier zur Feier des 91. Geburtstages des Moerser Ehrenbürgers Hanns Dieter Hüsch spielen sollte, wurde erst zwei Tage zuvor in Duisburg gekürt. Jedoch, der Glückspilz wurde unversehens zum Pechvogel, denn Nitsch wurde bei einem Unfall verletzt. So durfte der zweite Sieger, Christoph Tiemann aus Münster, dem Preisstifter die Ehre zu erweisen. Und das gelang ihm mit seinem Programm "Jetzt wird's gewöhnlich" wirklich gut.

Nachdem Carolin Pook, die aktuelle "Improviser in Residence", ein jazziges Geburtstagsständchen auf der Geige gebracht hatte, begrüßte Bürgermeister Christoph Fleischhauer die Gäste, und unter ihnen besonders Hüschs Witwe Chris Rasche-Hüsch und seine Tochter Anna Hüsch-Kraus. "Hanns Dieter Hüsch ist ein Aushängeschild für Moers - und dafür sind wir sehr dankbar", betonte Fleischhauer die Bedeutung des 2005 verstorbenen Kabarettisten für die Stadt. Tiemann, der gelernte Schauspieler, der unter anderem für Radio und Fernsehen arbeitet, begeisterte sich schon früh für das Kabarett. Mit Hüsch kam er als Kind durch dessen Synchronstimme bei "Dick und Doof" in Berührung. Nach und nach lernte er die drei Charakteristika des Niederrheiners kennen: das Literarische, das Politische und das Niederrheinische. Wobei ihm letzteres lange ein Rätsel war und sich ihm erst vor zwei Jahren erschloss. Seitdem habe er nämlich eine niederrheinische Schwiegermutter. Der Hüsch-Text "Persönliche Empfehlung", den Tiemann vorlas, stimmte nachdenklich. Es sei schon traurig, so Tiemann, dass solch ein Gedicht, das sich gegen Krieg, Hass und Gewalt richte, immer noch erschreckend aktuell sei. In seinem Programm sprach er dann sehr klug, wortgewandt und bissig über diverse Geißeln der modernen Welt: Die haarsträubenden Auswüchse der Medienwelt, insbesondere beim "Götzen Glotze": "Bei RTL wird die Menschenwürde offenbar an der Pforte abgegeben". Die Speicherung unserer Daten durch Internetdienste und die NSA: "Eine 24-Stunden-Life-Doku meiner Flirtpartnerin vor dem ersten Date - das wäre doch mal ein Service". Die Absurdität des aus dem Preußentum stammenden dreigliedrigen Schulsystems: "In diesem asozialen Schulsystem ist Bildung ein Wettrennen, und kein Mannschaftssport". Zur Höchstform aber läuft Tiemann auf, wenn er in andere Rollen schlüpft und auf geniale Art Stimmen imitiert, etwas die von Marcel Reich-Ranicki. Solch ein unbequemer Charakterkopf, solch ein leidenschaftlicher Meckerer würde schmerzlich fehlen. Jemand, der mit den unvergessenen Worten: "Das ist grrroßarrrtig - aber falsch!" Position beziehe. Außerdem machte sich Tiemann in der Rolle eines abgedrehten Kunst-Professors über den "Kunst-Autismus" lustig und gab zu, dass seine Liebe zur Kultur nur dann erblühe, wenn es auf der Einladung zu einer Vernissage heißt: "Seien Sie am Buffet unser Gast."

Hans-Albrecht Meyer-Stoll, der Vorsitzende des Freundeskreises Hanns Dieter Hüsch, war auch mit dem zweiten Preisträger sehr zufrieden. Mit den tollen Ehrengästen und in der besonderen Atmosphäre des Kammermusiksaals sei die Veranstaltung eine würdige Hommage an den großen Moerser. Beatrix Wirbelauer, die Leiterin des Kulturbüros, hat den Gewinner des "Schwarzen Schafes", Sebastian Nitsch, bereits nach Moers eingeladen - zu Hüschs 92. Geburtstag am 6. Mai 2017.

(rauh)
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