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Moers
Sebastian Nitsch erinnert an Hüsch

Moers. Der Schwarze-Schaf-Preisträger gastierte am Geburtstag von Hanns Dieter Hüsch im Martinstift.

Er war 2016 der Finalist in dem von Hanns Dieter Hüsch vor 18 Jahren ins Leben gerufenen Kabarett-Nachwuchspreises "Das Schwarze Schaf". Doch das war nur ein Grund für den Berliner Kabarettisten Sebastian Nitsch am Samstag im Saal des Moerser Martinstiftes eine besondere Vorstellung zum 12. Todestag des berühmten niederrheinischen Poeten und Moerser Ehrenbürgers zu geben. "Ich habe Hanns Dieter Hüsch immer zusammen mit meiner Mutter im Fernsehen angeschaut und war schon damals von der Leichtigkeit seiner Worte fasziniert", bekannte der heute 39-Jährige, nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Christoph Fleischhauer. "Deswegen ist mir dieser Auftritt heute eine besondere Ehre", erklärte er.

Eine Ehre, für die er extra ein eigenes Programm zusammengestellt hatte, das sich nicht, wie bei seinem Wettbewerbsauftritt 2016, in erster Linie an den dabei geforderten politisch- und gesellschaftskritischen Kriterien orientierte. Stattdessen hatte er sich für diesen Abend eher die humorvollen, leicht verschmitzten Ausführungen Hüschs über den ganz normalen menschlichen Alltag zum Vorbild genommen. So ging es in seinem zweimal 45 Minuten langen Programm unter anderem um die Angewohnheit von Frauen, ihren Wärme liebenden Partnern im Winter regelmäßig die Bettdecke zu klauen.

Oder um Zahnpasta-Angebote, die versprechen, den Zahnschmelz mit speziellen Scheuerperlen abzutragen, während andere locken, den verlorenen Zahnschmelz wieder drauf zu putzen. Daneben zweifelte er den Nutzen von bereits geschälten Bananen in Supermarktregalen an, spielte anhand zweier Tonaufnahmen die möglichst kundenwirksame, sprachliche Formulierung von Zugansagen durch und lobte den Frankfurter Bahnhof, an dessen Toren man sogleich von netten Frauen nach seinen menschlichen Bedürfnissen befragt wird.

Darüber hinaus hatte Sebastian Nitsch, angelehnt an die großen Weltbetrachtungen des Niederrheiners, auch einige hoch philosophische Betrachtungen mit im Programm. So kam er zum Beispiel anhand seines nach Rasierwasser und Kognak riechenden Großvaters zu der Erkenntnis: "Ich lebe, also rieche ich."

Und fand zudem singend: "Oh Gott, wir sterben alle viel zu früh". Ein Programm, an dem Hanns Dieter Hüsch wahrscheinlich ebenfalls seine Freude gehabt hätte. Schade nur, dass der erste Teil vor allem in den hinteren Stuhlreihen oft akustisch nur schwer zu verstehen war. Das verbesserte sich jedoch nach der Pause mit einer neuen Mikrofoneinstellung deutlich.

Damit konnten nicht nur die zahlreichen Ehrengäste wie Hanns Dieter Hüschs Witwe Christiane Hüsch, der SPD-Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann und der Moerser Ehrenbürgermeister Wilhelm Brunswick in den ersten Reihen, sondern auch alle anderen Besucher den Abend mit einem der schönsten Gedichte von Hanns Dieter Hüsch beschließen: "Schmetterling fliegt nach Haus..., die Lampen leuchten, der Tag ist aus."

(lang)
 
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