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Jan Klare Cartoon Moers Festival
Sechs Sessions am Tag und in der Nacht

Jan Klare Cartoon Moers  Festival: Sechs Sessions am Tag und in der Nacht
Kurator Jan Klare. FOTO: Helmut Berns
Moers. Der Leiter des Ruhrgebietsorchesters "The Dorf" kuratiert die Moers Session. Die Konzerte mit Festivalmusikern finden in intimer und konzentrierter Atmosphäre statt - bei diesem Moers Festival an sechs verschiedenen Orten in der Stadt.

Herr Klare, die Morning Sessions, die Sie im vierten Jahr kuratieren, heißen jetzt Moers Sessions und legen auch Nachtschichten ein. Wieso?

Klare Früher gab es auf dem Moers Festival Morning und Night Sessions. Sie waren inhaltlich anders und hatten auch andere Kuratoren. Wir haben ein Konzept entwickelt, das sechs Blöcke beinhaltet, die morgens und nachts an unterschiedlichen Spielorten in Moers stattfinden, zum Beispiel in der Nepix Kull und im Peschkenhaus. Es ist ein neuer Feldversuch. Ich bin sehr gespannt, denn in den letzten Jahren hatten die Sessions einen festen Ort und eine feste Zeit. Es gab Musikfreunde, die den Besuch unserer Morning Sessions mit Fahrradtouren verbunden haben, um in konzentrierter Atmosphäre die Musik zu erleben. Es war wie ein eigenes Festival im Festival.

Wie ein Festival im Festival: Die Jazzfans goutieren das konzentrierte und überraschende Zusammenspiel der Festival-Musiker. FOTO: Archivfoto

Was ist das Besondere an den Sessions auf dem Moers Festival?

Klare Sie sind ein spannender Treffpunkt. Viele der Musiker spielen dort das erste Mal zusammen. Es entstehen ganz neue Kollaborationen. Für die Musiker sind die Sessions ein besonderer Begegnungsort, an dem sie miteinander improvisieren. Das Publikum goutiert diese Atmosphäre und das Gefühl, die Ursprünglichkeit in der Musik miterleben zu können. Die meisten sind Musik-Liebhaber, die sich den Anfängen und Traditionen des Moers Festivals verbunden fühlen.

Heute startet das Moers Festival. Vier Tage lang finden an vielen Orten in der Moerser Innenstadt und in der Festivalhalle am Solimare Konzerte statt. Spitzbart freut sich schon. FOTO: Malte Jehmlich

Holen Sie als Kurator denn auch mal das Saxofon hervor und spielen mit?

Klare Ich halte mich zurück, obwohl mir das schon schwerfällt. Bei der allerletzten Session im letzten Jahr habe ich aber doch mitgespielt. Ich dachte, dass sie möglicherweise die letzte überhaupt sein könnte.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Musiker aus, die Sie zu den Sessions einladen?

Klare Ich nehme zu allen Musikern Kontakt auf, die auch im Hauptprogramm spielen. Wenn es terminlich passt, schaue ich, welche Kombinationsmöglichkeiten es gibt. Die Session soll ja nicht so vorhersehbar sein. Ich zwinge aber keinen Künstler in ein Korsett, in dem er sich nicht wohlfühlt. So etwas ist ja auch für Musiker nicht selbstverständlich. Die Sessions sind auf jeden Fall eine fantastische Plattform, bei der die Interaktion die Musikalität trägt.

Stehen denn die Musiker schon fest, die sich an den diesjährigen Moers Sessions beteiligen wollen?

Klare Die Besetzung steht zu 98 Prozent fest. Es werden bei jedem Termin zehn bis 15 Musiker zusammenkommen. Wir erwarten zum Beispiel Han Buhrs, der in der niederländischen Band "Rubatong" spielt, die Pianistin Sylvie Courvoisier, den Sänger Dorian Wood und viel andere mehr.

Mit Ihrem Ruhrgebietsorchester "The Dorf" haben sie selbst schon auf der großen Festivalbühne gespielt? Die Sessions kuratieren Sie im vierten Jahr. Was macht mehr Spaß?

Klare Ich bin ganz klar Musiker. Es ist aber ehrenvoll, dass man mir die Aufgabe anvertraut hat, die Moers Sessions zu kuratieren.

Was werden Sie sich denn im Hauptprogramm anhören? Haben Sie Tipps für die Festivalbesucher?

Klare Naja, ich durfte sogar einige Bands vorschlagen, die in der Festivalhalle spielen. Eine ganz große Nummer ist für mich die burmesische Band, die am Freitag spielen wird. Der Bandleader Sein Hla Myaing ist ein absoluter Virtuose des Pat Waing, das aus 21 im Kreis aufgehängten Trommeln besteht und das Hauptmelodieinstrument in der burmesischen Musik ist. Das Pat Waing ist so etwas wie bei uns die erste Geige. Ich habe das Ensemble in Myanmar kennengelernt. Es trat in einer Kaschemme auf. Für mich war es ein tolles Erlebnis. In der Musik geht es um eine Form der Geisterbeschwörung. Natürlich muss ich auch Anthony Braxton nennen. Ich werde mir sicherlich "Rubatong" anhören, die eine sehr energetische, dunkle Musik machen. Es kommen aber auch junge überraschende Bands nach Moers, die man sich unbedingt anhören sollte. Ich bin zum Beispiel auf das Trio "De Beren Gieren" aus Belgien sehr gespannt.

Für Tim Isfort ist dieses Moers Festival das erste als künstlerischer Leiter. Was wünschen Sie ihm?

Klare Ich wünsche ihm, dass die Ambition und das Versprechen, die sich im Programm des Moers Festivals spiegeln, sich für ihn in vielerlei Hinsicht einlösen - sowohl in der Publikumsresonanz als auch in der Rückkoppelung in der Fachpresse. Er hat in kürzester Zeit ein fantastisches Ding hingelegt. Es ist ein erster großer Wurf, der an die Festivalursprünge erinnert. Für Moers ist das ein großes Geschenk und eine Geste ans Publikum.

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Die Moers Sessions starten in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.30 Uhr. Samstag und Sonntag finden Sessions um 11.30 und ein Uhr statt, Pfingstmontag um 11.30 Uhr. Spielorte sind das Rathaus, Moerser Musikschule, Röhre, Nepix Kull, Peschkenhaus und die Aula des Gymnasiums in den Filder Benden. www.moers-festival.de

Quelle: RP
 
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