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Moers
Seit 70 Jahren trifft er den richtigen Ton

Moers: Seit 70 Jahren trifft er den richtigen Ton
"Bläser in meinem Alter sind selten", sagt Heinz Wilhelm Anhamm. Der 80-Jährige aus Hoerstgen spielt seit seiner Kindheit Trompete. FOTO: Marcus Koopmann
Moers. Heinz Wilhelm Anhamm bläst seit über sieben Jahrzehnten Trompete. In den nächsten Tagen ist der Hoerstgener im Dauereinsatz, unter anderem am Sonntag bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Friedhof Niersenberg. Von Peter Gottschlich

Wann Heinz Wilhelm Anhamm das erste Mal in eine Trompete blies, weiß er nicht mehr genau. "Es muss sehr früh gewesen sein", blickt der 80-jährige Hoerstgener. "Mit zehn Jahren konnte ich schon richtig spielen. Mein Vater Dietrich Anhamm war Leiter des Posaunenchors. Als er sich einmal die Hand verletzt hatte, bin ich eingesprungen."

So drückt der "Trompeter von Hoerstgen" seit über sieben Jahrzehnte auf die drei Ventile seines Instrumentes, in den nächsten Tagen häufiger als sonst. Am Sonntag begleitet er mit dem Hoerstgener Posaunenchor um 9.30 Uhr den Gottesdienst in der Hoerstgener Dorfkirche, wie jedem dritten Sonntag im Monat. "Trompete und Posaunen lassen sich nur mit religiöser Übersetzung spielen, mit Glaube und Sendung", bekennt der Trompeter und Posaunist, dessen Posaunenchor Mitglied im Christlichen Verein Junger Menschen ist.

Nach dem Gottesdienst radelt er mit seiner besten Trompete, einer versilberten B-Trompete "Stradivarius" des amerikanischen Herstellers Bach, zum Soldatenfriedhof am Niersenberg. Bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag bläst er das Trompetensolo "Ich hatt' einen Kameraden" von Friedrich Silcher, wenn die Vereine zu Ehren der Toten Kränze niederlegen. Zum Abschluss der Feier trägt er als Solotrompeter außerdem das Lied "Eine feste Burg ist unser Gott" vor, das aus der Feder von Martin Luther stammt und wahrscheinlich von dessen Freund Johann Walter mit Musik unterlegt wurde. "Das Stück habe ich mir ausgesucht, passend zum Reformationsjahr 2017", erzählt der Musikfreund und Familienvater.

Wenn er montags in seinem Musikzimmer auf seinem Bauernhof an der Hammerstraße eine Stunde lang Trompete übt, widerlegt er den Ausspruch von Nino Rota, der die Filmmusik zu "La Strada" inklusive des berühmten Trompetensolos komponierte. Zu viel Blechblasmusik sei unerträglich, soll der italienische Komponist einmal gesagt haben, der auch die Musik zum Film "Der Pate", schrieb. "Blechblasmusik klingt immer gut", findet dagegen der der Leiter des Hoerstgener Posaunenchors. "Man muss aber den richtigen Ton treffen, sonst klingt es schief. Und Töne alleine sind noch keine Melodie." Deshalb lautet sein Motto, wenn der Posaunenchor am Donnerstagabend im Hoerstgener Gemeindesaal probt: "Lieber einen Ton auslassen, als einen falschen spielen."

Nächster großer Einsatz für den Posaunenchor ist der 1. Dezember, der Freitag vor dem ersten Advent, wenn ab 15 Uhr die Kinder der Hoerstgener Kindergärten an der Molkereistraße einen Christbaum schmücken. "Dann sind wir 14 Bläser, inklusive der Bläser der Freien evangelischen Gemeinde". Das Hoerstgener Adventsfest hat sich in den vergangenen Jahren rund ums Christbaumschmücken entwickelt. Zwei Wochen später spielt der Hoerstgener Posaunenchor am 16. Dezember um 14 Uhr, wenn der Adventsmarkt auf dem Kamper Abteiplatz beginnt. Am 17. Dezember begleitet er den Gottesdienst in der Hoerstgener Dorfkirche, wie den Gottesdienst an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag. "Bläser in meinem Alter sind selten", sagt der Trompeter. "Es ist ein Geschenk Gottes, dass ich mit 80 noch spielen kann."

Quelle: RP
 
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