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Porträt Landtagskandidaten
Seit vier Jahren im Wahlkampf

Moers. Seit 2012 mischt René Schneider im politischen Landtagsbetrieb als Abgeordneter mit. Die Jeans hat er längst gegen den Anzug getauscht. "Aber man bleibt ja derselbe Mensch", sagt er. Bewahrt man aber auch seine Ideale? Von Anja Katzke

Kamp-Lintfort Seine Söhne begleiten ihn nicht gerne zum Einkauf. "Der Weg vom Regal bis zur Kasse dauert ihnen zu lang", sagt René Schneider schmunzelnd. Hier ein freundlicher Gruß, da ein kurzes Gespräch. Ob beim Einkauf, auf der Straße oder im Café - René Schneider wird erkannt. 2012 war der heute 39-Jährige für die SPD im Wahlkreis Wesel II als Abgeordneter in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. Dort möchte er auch ab Mai 2017 für weitere fünf Jahre bleiben.

Hat ihn der Düsseldorfer Polit-Betrieb verändert? Äußerlich auf jeden Fall. René Schneider trägt jetzt Anzug und Krawatte. "Vermutlich zur Freude meines Vaters, der mir geraten hatte: Sohn, mach' eine Bank-Ausbildung. Dort kannst Du Krawatte tragen", erzählt der Politiker. "Dienstkleidung" nennt er sein neues Outfit. Den ersten Anzug habe er sich 2012 für die erste Sitzung im Landtag gekauft. "Das war ein schwarzer. Ich dachte, dass ich den nur zu feierlichen Anlässen aus dem Schrank holen würde."

Doch was die Bekleidung betrifft, so betont der Sozialdemokrat, habe er zwei Dinge gelernt: "Man wird in Gesprächen ernst genommen, und viele erwarten von ihren Volksvertretern, dass sie anders und professionell aussehen. Aber man bleibt ja derselbe Mensch." Die Antwort, wie sehr ihn die Aufgabe als Berufspolitiker verändert habe, fällt da deutlich schwerer. "Ich finde Offenheit und Ehrlichkeit sehr wichtig. Das habe ich mir in den letzten vier Jahren zu bewahren versucht, und mir keinen Politiker-Sprech anzugewöhnen", sagt Schneider. Dazu gehöre für ihn auch, den Menschen zu sagen, was geht und was nicht.

"Und das fällt schon schwer genug", gibt der Politiker unumwunden zu: "In vielen Fällen wäre es deutlich leichter zu sagen: Das nehme ich mal mit nach Düsseldorf. Aber das ist gar nicht mein Ding. Ich möchte Lösungen finden", sagt der studierte Journalist. Doch Empathie allein reicht oft nicht aus. Der 39-Jährige weiß, dass er nicht alle Erwartungen erfüllen kann. "Es passiert auch, dass man Menschen enttäuscht", sagt er. Auf Ablehnung stieß er bislang noch nicht. Die öffentliche Politiker-Schelte in den sozialen Medien bereitet ihm aber Sorge. "Die Demokratie ist die einzige mögliche Basis. Ich würde mir mehr Respekt wünschen."

Der politische Landtagsbetrieb war ihm nicht fremd, als er vor vier Jahren in sein Büro in Düsseldorf einzog. Er kannte den Alltag, weil er von 2002 bis 2008 sechs Jahre Referent der Abgeordneten Claudia Scheler gewesen war. Heute kümmert er sich als einer von 99 Abgeordneten seiner Fraktion um Medien- und Netzpolitik, gehört dem Integrationsausschuss an und beschäftigt sich im Unterausschuss Bergbausicherheit um die Folgen des Steinkohle- und Steinsalzbergbaus. Außerdem diskutierte er in der Verfassungskommission unter anderem die Frage des Wahlrechts ab 16 Jahren. "Es ist schon ein Privileg, sich die Themen, die man beackern möchte, selbst zu suchen und zu bestimmen." Die Kehrseite: Als Abgeordneter befinde man sich fast wie in einem Vakuum. "Denn mein Chef, der Wähler, entscheidet nur alle fünf Jahre über die Verlängerung meines Vertrags." Und deshalb sei er in seinem Wahlkreis aktiv, diskutiere in Xanten über die Ladenöffnungszeiten und besuche die Menschen in Sonsbeck, die von den Überschwemmungen in den letzten Wochen hart getroffen wurden.

Und er bloggt: über die Arbeitswelt, Digitalisierung, Datenschutz, Internethandel und Schichtarbeit. "Wenn man so will, bin ich seit vier Jahren im Wahlkampf", sagt René Schneider, weil Klappern zum Handwerk gehört. Der Politiker, der SPD-Vorsitzender in Kamp-Lintfort und im Kreis Wesel ist, hat sich, wie er sagt, inzwischen ein Grundverständnis seines Wahlkreises aufgebaut, kenne den Grundtakt der Städte. Die Signale des Kamp-Lintforters sind eindeutig: Er will Abgeordneter im Landtag bleiben - und das nicht in der letzten Reihe.

Quelle: RP
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