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Moers
Sie faltet Oscar Wilde und Homers Odyssee

Moers: Sie faltet Oscar Wilde und Homers Odyssee
Monika Paaßen legt großen Wert darauf, dass die Bücher jederzeit wieder in ihren Originalzustand versetzt werden können. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Monika Paaßen hat sich einer ungewöhnlichen Kunst verschrieben: Orimoto. Sie faltet Bücher in dreidimensionale Objekte und lässt dabei etwas Neues entstehen. Die Kunst entdeckte sie durch Zufall. Von Hedi Meinecke

In allen Falten wohnen Geschichten - "Geschichten, die faszinieren, die informieren und die neugierig machen", sagt Monika Paaßen und erklärt damit ihre ungewöhnliche Passion. Die ehemalige Fremdsprachen-Sekretärin hat sich der Bücher-Faltkunst verschrieben - auch Orimoto genannt. Bei Ausstellungen und in Antiquariaten präsentiert sie ihre Werke, erklärt die Techniken und erzählt über die Geschichte ihrer großen Leidenschaft. Entstanden sind in den vielen Jahren zwei- oder auch dreidimensionale Gebilde, abstrakte Formen und Silhouetten, vor allem aber ästhetisch ansprechende und schöne Objekte und Figuren.

"Die Bücher können jederzeit wieder auseinandergefaltet werden", so die Akteurin, "denn ich schneide nicht, ich klebe nicht, ich falte." Ihr Anliegen: Das Buch muss in seiner ursprünglichen Form erhalten bleiben. Den ersten Kontakt mit der Faltkunst bekam die Literaturliebhaberin bei einem zufälligen Besuch der Kölner Universität. "Diese besondere Art des Umgangs mit dem Schriftgut hat mich gleich begeistert, ich war hingerissen", erzählt sie. Zuhause angekommen, habe sie dann erst einmal die Falttechnik von Papier getestet - jedoch ohne Erfolg. Die Idee aber habe sie nicht mehr losgelassen. Bei einem weiteren spontanen Versuch mit einem alten in Leder gebundenen Gebetbuch ihres längst erwachsenen Sohnes konnte sie dann nach dem Versuch verschiedener Techniken erste Erfolge verbuchen. "Es ist eine wunderbare und kreative Beschäftigung, die entspannt, die anregt - die Freude und Interesse an der Literatur weckt", so Monika Paaßen.

Aber: Sie falte nur besondere und anspruchsvolle Bücher, mit deren Inhalt sie einverstanden sein müsse. Zu den besonderen Exemplaren zum Beispiel gehört das Werk von Emile Rousseau aus dem 18. Jahrhundert, das das Thema Erziehung in den Mittelpunkt stellt - und heute immer noch in Fachkreisen hohe Anerkennung findet und zitiert wird. Die Odyssee von Homer gehört ebenso zu ihrer gefalteten Sammlung, auch ein zweites Gebetbuch von ihrem Schwiegervater, das sie im Kofferraum seines Wagens fand, ein evangelisches Gesangbuch von 1901, das ihr das Xantener Antiquariat Dr. Müllers schenkte, das auch zwei von ihr gestaltete Bücher als Dekoration ausstellt. Eine Sammlung von im Dialekt geschriebenen Geschichten aus der ehemaligen DDR aus dem Jahre 1975 befindet sich in der Kollektion, auch "Der kleine Seitensprung" von Oscar Wilde, selbst Langenscheidts Wörterbuch Deutsch-Latein gehört dazu.

Die Begegnung mit dem Künstler Marc Völker begann zunächst mit einer heftigen Kritik, der Autor war mit ihrer Falttechnik nicht einverstanden, widmete ihr aber nach der Aufklärung einen beeindruckenden Spruch. Zur Technik sagt die Faltkünstlerin: Die Beschaffenheit des Papiers ist ausschlaggebend, es muss hauchdünn sein, aber auch Stabilität aufweisen. Mit Schablonen zu arbeiten, mache ihr keinen Spaß, "ich lasse da lieber meiner Phantasie freien Lauf."

Orimoto ist die Kunst, Bücher in zwei- oder dreidimensionale Objekte zu falten. Wichtig dabei ist: Bücher bleiben in ihrer eigentlichen Form erhalten, es wird nicht geschnitten, nicht geklebt, und sie können jederzeit wieder auseinandergefaltet werden.

Quelle: RP
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