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Moers
Sie will die Erinnerung weiter geben

Moers: Sie will die Erinnerung weiter geben
Gebannt hören die Schüler am Grafschafter Gymnasium Marie Theulot zu. Ihre Vorfahren retteten Juden in Frankreich. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Am Grafschafter Gymnasium erzählte Marie Theulot über die Rettung von Juden durch ihre Vorfahren in Frankreich während der NS-Zeit. Ihr Großvater und ihr Vater wurden später als "Gerechte unter den Völkern" gewürdigt. Von Philipp Kluge

Mit gebrochenem Deutsch bemüht sich Marie Theulot, den jungen Menschen die Geschichte ihrer Vorfahren zu erzählen. An den meisten Stellen muss sie aufs Französische ausweichen, ihre Muttersprache. An ihrer Seite sitzt Waltraud Schleser als Dolmetscherin, um den Grafschafter Gymnasiasten weiterhin einen Einblick in das Leben von Maries Vater und Großvater zu geben: Diese hatten während der NS-Zeit Juden vor den Deutschen gerettet.

Schüler aus den Französisch-Kursen des Grafschafter Gymnasiums und Teilnehmer der Auschwitz-Fahrt lauschten Marie Theulot, wie sie über ihre Arbeit und ihre Ziele berichtete. Sie hat derzeit drei Bücher über die Situation der Juden im Zweiten Weltkrieg geschrieben, das dritte wird nächste Woche in Frankreich veröffentlicht. Auf die Frage, ob es die Bücher auf deutsch gäbe, antwortete die 65-Jährige mit einem Lächeln: "Noch gibt es sie nur auf französisch, aber das kann noch werden"

Die Autorin möchte mit ihren Werken die Erinnerung an die Jugendlichen von heute weitergeben. Doch das Schreiben dieser Bücher hat sie auch selber verändert. "Ich bin froh, dass ich erst als Großmutter angefangen habe zu schreiben. Vorher hätte ich es nicht ausgehalten, über diese schlimme Zeit nachzudenken", erklärte Theulot freimütig.

Der Großvater von Marie Theulot, George Vigoreux, war Polizist in Frankreich. Er unterstützte in den 40er-Jahren den Widerstand gegen die Judenverfolgung der Nationalsozialisten. Sein Sohn Jacques, Maries Vater, war damals 14 Jahre alt und half dabei, die Juden aus der Besatzungszone zu schmuggeln. Bei einer Großrazzia waren beide Familienteile erwischt worden. Für ihren wagemutigen Einsatz wurden beide später von dem Staat Israel mit der Ehrung "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet, die seit 1963 an all jene nichtjüdischen Personen geht, die ihr Leben für die Rettung von Juden eingesetzt haben. Marie Theulot suchte bei den rund 40 anwesenden Schülern des Grafschafters auch den Dialog. Sie stellte manchmal selber Fragen, oder klärte Unklarheiten bei den Jugendlichen. Fragen von den Gymnasiasten wurden auf französisch gestellt. Darüber war nicht nur Marie Theulot erfreut. "Die Schüler hier waren unglaublich diszipliniert und haben nicht den Vortrag von ihr gestört", sagte Waltraud Schleser, die Dolmetscherin. Bis zum 2. Oktober hat sich Marie Theulot im Ruhrgebiet aufgehalten. Die 65-Jährige Schriftstellerin ist im Juli 2012 einer Einladung von Staatspräsident François Hollande gefolgt und hat auf der "Commémoration de la rafle du Vél d'Hiv" über die Judenverfolgung und die Großrazzia des Wintervelodroms der Nationalsozialisten gesprochen.

Quelle: RP
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