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Moers
Siegfried: Nibelungen im Musenhof

Moers: Siegfried: Nibelungen im Musenhof
Das Junge StM probte gestern Abend im Grafschafter Musenhof. Unter Leitung des Theaterpädagogen Holger Runge widmet sich das Ensemble einer alten Sage. Siegfried (re.) kämpft gegen seine Widersacher. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Junge StM leitet die Open-Air-Saison ein: Unter der Leitung von Holger Runge bringt das Ensemble mit "Siegfried" eine schonungslose Neufassung des Nibelungenliedes auf die Bühne im Musenhof. Von Anja Katzke

"Dort drüben", sagt Theaterpädagoge Holger Runge und zeigt auf das mittelalterliche Gebäude-Ensemble im Grafschafter Musenhof, "ist Xanten." Demnach ist der Spielplatz nebenan Island und die anthrazitfarbene Tafel Worms. Der ganze Grafschafter Musenhof dient dem Leiter des Jungen StM als Bühne für seine Siegfried-Inszenierung, die Montag, 19.30 Uhr, Premiere feiert. Vorlage ist eine moderne und schonungslose Fassung der Nibelungen-Saga: Sie stammt aus der Feder von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel. "Die Autoren haben den Mythos um die Lichtgestalt vom Niederrhein von jeder Patina befreit", erläutert der Theaterpädagoge. Das Autorenduo hält sich zwar an die historische Vorlage, gleichzeitig holt es Siegfried von seinem Sockel. "Denn Macht ist nicht unbedingt eine Frage der Intelligenz", fasst Holger Runge zusammen.

Siegfried ist ein Muskelprotz, aber ziemlich tumb. Brunhild ist als Gegenpart eine blutrünstige Barbarin und Krimhild eine nur vordergründig Naive. "Sie ist ziemlich manipulativ", betont Lea Krell, die in der Inszenierung die Rolle der Kriemhild gibt. "Die Figuren werden in der Fassung von Zaimoglu/Senkel mitleidslos betrachtet", erläutert Holger Runge, der verschiedene Fassungen der Nibelungen-Sage gelesen hatte, bevor er sich letztendlich für diese entschied. "Sie ist schon sehr spannend." Erzählt wird aus dem Leben Siegfrieds - von seiner Kindheit bis zum Tod. Größte dramaturgische Herausforderung: der Kampf mit dem Drachen. "Da wir kein großes Budget haben, muss ein Stofftier reichen, das Siegfried mit einem Elektromesser tötet", sagt der Theaterpädagoge schmunzelnd.

Überhaupt dürfte seine Inszenierung recht schrill werden. Die Rolle der Brunhild ist mit einem Mann besetzt, der Schauspieler, der den Zwerg Alberich spielt, ist etwa 1,90 Meter groß. Obendrein gibt es mehrere Doppelrollen. Lea Krell spielt zum Beispiel nicht nur Kriemhild, sondern auch einen Zwerg. Helge Gebel gibt Brunhild. "Es gibt zu Beginn eine Choreographie, die an Aerobic erinnert. Da trage ich ein sehr körperbetontes Kostüm", erzählt der junge Mann, der sich zurzeit an Schauspielschulen bewirbt. Für ihn ist "Siegfried" bereits die vierte Produktion am Jungen StM. Wichtig ist Runge, dass nicht der Eindruck entsteht, dass das Ensemble schlicht ein Travestiestück auf die Bühne im Grafschafter Musenhof bringt.

"Es handelt sich um eine Komödie mit einigen auch traurigen Szenen. Wir wollten einfach schauen, was passiert, wenn die Rollen ungewöhnlich besetzt sind", erklärte der Theaterpädagoge gestern. "Der Text ist zweideutig. Das dürfte auch für Jugendliche interessant sein, die sich gerade in der Pubertät mit dem Thema Sexualität auseinandersetzten. Es ist auch eine Identitätssuche", betont auch Lea Krell. Für die Kostüme hat sich das Ensemble im Alter zwischen 18 und 52 Jahren im Fundus des Schlosstheaters bedient. Und Helge Gebel freut sich schon darauf, auf der langen Tafel im Musenhof zu spielen. Zum Ensemble gehören auch: Dirk Dijksma, Oliver Döring, Frederic Hannen, Simon Lemmer, Regine Meyering, Jannis Otten, Alexander Sonsalla, Noel Telizin und Jan Westerkamp. "Siegfried" ist auch Teil des Rahmenprogramms der aktuellen Ausstellung im Grafschafter Museum. Professor Gaby Herchert (Universität Duisburg-Essen) referiert am Mittwoch, 15. Juni, 19.30 Uhr, im Museum über das Nibelungenlied und seine Rezeption.

Premiere ist am Montag, 9. Mai, 19.30 Uhr, im Grafschafter Musenhof. Aufführungen sind am 20., 22. und 26. Juni, jeweils um 19.30 Uhr.

Quelle: RP
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