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Moers
So kam die Reformation in die Grafschaft

Moers: So kam die Reformation in die Grafschaft
Philipp Kluge (Mitte) erläuterte den Teilnehmern der Führung im Museum, wie gefährdet der Protestantismus in der Grafschaft anfangs war. FOTO: Klaus Dieker
Moers. In diesem Jahr feiert die Welt den Thesenanschlag Martin Luthers. Eine Führung des Grafschafter Museums gab nun darüber Aufschluss, wie die neue Lehre nach Moers kam. Dabei spielte auch eine gefährliche Liebschaft eine Rolle. Von Anna-Lina Heimrath

Angefangen hat alles mit Graf Wilhelm von Neuenahr. Der seit 1519 amtierende Moerser Graf bekannte sich sehr früh zum Luthertum, was für die Zeit noch ungewöhnlich war. "Moers war einer der ersten Städte in der Umgebung, die protestantisch wurden", erklärt Philipp Kluge während seiner Führung zum Reformationsjubiläum im Grafschafter Museum. Bereits 1532 bekannte sich Graf Wilhelm zum Luthertum, also bereits zwei Jahre nach dem Augsburger Bekenntnis. Graf Wilhelm schickte seinen Hofprediger Johann Uden nach Wittenberg und somit in das Zentrum der Reformation. Als er sechs Jahre später wieder nach Moers zurückkehrte, erkannte Graf Wilhelm die lutherische Konfession an.

Doch mit dem Bekenntnis wurde die Grafschaft Moers noch nicht lutherisch. Denn noch war es zu gefährlich, die Reformation offiziell in die Grafschaft einzuführen. Zu groß war die Angst vor der katholischen Macht und dem katholischen Kaiser Karl V.

"Graf Wilhelm ebnete zwar den Weg zu einer protestantischen Grafschaft, sein Sohn aber führte den Protestantismus offiziell in der Grafschaft ein", erzählt Kluge. Dieser konnte 1650, einige Jahre nach dem Augsburger Religionsfrieden, die Reformation offiziell einführen.

Die Reformation war mit dieser Vereinbarung aber noch nicht gesichert. Denn Graf Adolf verwickelte Moers in den Truchsessischen Krieg, indem er der Unterstützer der Liebschaft zwischen dem Kölner Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchsess von Waldburg und einer Stiftsdame wurde. "Er stellte dem Liebespaar in seinem Schloss ein Zimmer zur Verfügung, so dass sie die Liebschaft geheim halten konnten", erklärte Kluge. Der Kurfürst war zuvor zum Protestantismus übergetreten. "Graf Adolf wollte, dass Gebhard trotz seines Konfessionswechsels sein Amt behielt", erklärte Kluge den Besuchern des Museums. Somit gab es durch die Verwicklung von Graf Adolf in die Liebesbeziehung des Kurfürsten vier protestantische Kurfürsten und drei katholische - und damit fiel die katholische Mehrheit.

Doch trotz der Bemühungen Graf Adolfs war der Protestantismus in Moers noch immer nicht gesichert. Denn im Sommer 1586 griffen Spanische Truppen, die stärkste katholische Macht, Moers an. Schnell entschied der Stadtrat sich zu einer kampflosen Übergabe.

"Der Stadtrat hatte jedoch die Bedingung, dass kein Bürger verletzt werden sollte und die Stadt nicht geplündert werden soll. Auch die reformierte Religion sollte beibehalten werden", erklärt Philipp Kluge den Besuchern des Grafschafter Museums. Doch während viele Bürger die Grafschaft verließen, kämpfte Grafin Walburgis aus dem Exil weiter um die Grafschaft und konnte den protestantischen Glauben retten.

Wie es dazu kam und wer mehr über die Grafschaft Moers und die protestantische Entwicklung der Grafschaft erfahren möchte, kann am 13.ten Mai um 14 Uhr an der nächsten Führung teilnehmen. Es gelten die regulären Eintrittspreise.

Quelle: RP
 
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