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Moers
So werden Jugendliche "Stammtischkämpfer" gegen Rechts

Moers. In einer Werkstatt lernten Teilnehmer, in Alltagssituationen rechtsextremes Gedankengut zu erkennen und sich einzumischen. Von Peter Gottschlich

"Es ist nur fair, wenn die Leistungsträger unserer Gesellschaft die Entwicklung maßgeblich mitgestalten." Oder: "Wir können nicht alle aufnehmen. Deutschland ist doch nicht das Sozialamt der Welt." Oder: "Deutschland wird islamisiert - überall Moscheen und ständig Ehrenmorde."

Gregor Polzin kennt solche Parolen, die suggerieren, dass die Schwachen der Gesellschaft keine Unterstützung verdienen, dass Asylbewerber nicht mehr erwünscht und Religionen nicht mehr gleichberechtigt sein sollen. "Es sind rassistische Parolen", erzählt der Kulturreferent des Moerser Jugendkulturzentrums Bollwerks 107. "Ich bekomme sie mit, wenn ich im Café sitze oder Bahn fahre. Sie sind alltäglich." Um diese Parolen zu erkennen und sich als "Stammtischkämpfer" einzumischen, organisierte er mit der Gewerkschaft Verdi am Samstag im Bollwerk eine Werkstatt "Argumentation gegen Rechts", nachdem er im April eine ähnliche Veranstaltung in Köln besucht hatte. Dabei ist es nicht immer einfach, Parolen als rechtsextrem zu erkennen, stellten die Werkstattbesucher fest. Und Weghören ist leichter als sich einzumischen, insbesondere wenn Angst vor Konsequenzen herrscht, beispielsweise Gewalt beim nächsten Wiedersehen mit bestimmten Personen. Dazu spielt die Furcht mit, in einer neuen Situation unterliegen zu können.

Die beste Strategie, diese Blockaden abzubauen, sei, sich vorher Argumente zu überlegen und dann Argumentationsstränge einzutrainieren. Das arbeiteten die Werkstattbesucher zusammen mit Rolf Hartmann (48) und Andrea Grieco (42) heraus, die beide Gewerkschaftssekretäre in Krefeld für den Verdi-Bezirk linker Niederrhein sind. Die Argumente aus der rechten Ecke hielten einer ernsthaften Prüfung meist nicht stand, man müsse sie hinterfragen, meint Hartmann.

In einem "Kugellager" übten die jungen Moerser das Argumentieren ein. Im Innenkreis spielten die einen Rechtsextreme und vertraten jeweils eine Parole. Im Außenkreis versuchten die anderen, diese im Vieraugengespräch argumentativ zu zerlegen, in dem sie sich beispielsweise auf Gesetze oder Autoritäten beriefen. Nach drei Minuten drehten sich die Werkstattbesucher des Außenkreises weiter, um so zu lernen, gegen andere Parole zu argumentieren.

Nicht immer ist es leicht, gängige Parolen zu widerlegen, meint Andrea Grieco. Denn wer rechtes Gedankengut verbreitet, der lässt Fakten und Argumente manchmal einfach nicht gelten.

Am 10. September, voraussichtlich um 10 Uhr, lädt das Bollwerk zu einem weiteren Workshop "Argumente gegen Rechts" ein. Die Teilnahme ist kostenlos, da sie von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur und dem Landesfamilienministerium gefördert wird.

Quelle: RP
 
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