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Moers
Sparkasse gibt historischen Sitz auf

Moers: Sparkasse gibt historischen Sitz auf
Historische Aufnahme des Gebäudes der ehemaligen Städtischen Sparkasse an der Homberger Straße. FOTO: Archiv
Moers. Derzeit laufen Verhandlungen mit möglichen Interessenten für das ehemalige Gebäude der Moerser Städtischen Sparkasse an der Homberger Straße auf Hochtouren. Die Sparkasse hat ihr Geschäftskundenzentrum dort verlagert. Von Jürgen Stock

Heimlich, still und leise ist an der Homberger Straße ein Stück Moerser Unternehmensgeschichte zu Ende gegangen. Bereits zum 18. Januar hat die Sparkasse am Niederrhein dort ihr Geschäftskundenzentrum geräumt und in die Hauptstelle am Ostring verlagert. Mit den Wertpapier- und Anlageberatern wanderte auch das Archiv zwei Straßen weiter in die Hauptstelle. Derzeit verhandele laut Sparkasse der Hauseigentümer des Gebäudes an der Homberger Straße auf Hochtouren mit potenziellen Nachmietern. 70 Jahre lang war das Haus Hauptsitz der Städtischen Sparkasse Moers. Nach der Fusion mit der Kreissparkasse am 1. Januar 1977 wurde das Gebäude in den Folgejahren als Zweigstelle der heutigen Sparkasse am Niederrhein genutzt und nach der Auflösung der Zweigstelle 2002 in ein Geschäftskundenzentrum umgewandelt.

Für den jüngsten Umzug führt Unternehmenssprecher Jörg Zimmer eine reihe praktischer Erwägungen ins Feld. So habe es zu dem alten Gebäude an der Homberger Straße keinen behindertengerechten Zugang gegeben, zudem hätten Kunden wiederholt über die schwierige Parkplatzsituation an der Landwehrstraße geklagt. Beides habe an Bedeutung gewonnen, da auch die Kundschaft der Sparkasse in die Jahre gekommen sei und daher senioren- und behindertengerechte Zugänge immer wichtiger würden. Zudem sei es für Kunden an der Homberger Straße nicht möglich gewesen, alle Geldgeschäfte unter einem Dach zu erledigen.

Das neue Geschäftskundenzentrum befindet sich nun im ersten Obergeschoss am Ostring gleich neben dem Vorstandsempfang. Dort habe es noch freie Räume gegeben, weil in der Vergangenheit Abteilungen von Moers an die Poststraße nach Neukirchen-Vluyn ausgelagert worden seien.

Alles vernünftige Gründe. Und doch wird manch einem wehmütig ums Herz, wenn er daran denkt, dass das Kapitel "Stadtsparkasse" in der Homberger Straße nun endgültig zu Ende geht. Rudi Domogalski zum Beispiel, der langjährige Werbeleiter der Sparkasse, arbeitete dort von 1957 bis 1977. Nicht viel mehr als 40 Mitarbeiter habe das Kreditinstitut damals gehabt. Aber das Betriebsklima sei immer gut gewesen: "Wir waren ein wirklich verschworener Haufen damals."

Er erinnert sich auch noch gut an die innig gepflegte Rivalität zwischen Stadt- und Kreissparkasse. "Das grenzte schon an Feindschaft", berichtet er. "Als die Kreissparkasse mal wagte, in Schwafheim eine Filiale zu eröffnen, klagte die Städtische Sparkasse dagegen - und gewann."

Die Städtische Sparkasse in Moers war auch wesentlich älter als die Kreissparkasse. Sie wurde bereits am 18. März 1845 gegründet, nachdem es aber bereits im damals noch selbstständigen Kapellen ein Jahr zuvor eine Sparkassengründung gegeben hatte. Sie zog dann 1907 in das so genannte Etzold-Gebäude ein, das zuvor eine Filiale der Deutschen Bank beheimatet hatte. Während der ehemalige Kreissparkassen-Trakt am Ostring mehrfach umgebaut wurde, blieb die Fassade der Städtischen über mehr als 108 Jahre hinweg fast unverändert.

Etwas rätselhaft bleibt, warum der jüngste Umzug angesichts des geschichtlichen Hintergrundes nur den unmittelbar betroffenen Kunden mitgeteilt wurde. Möglicherweise wollte die Sparkassenspitze den Eindruck einer Geschäftsstellenschließung vermeiden. Damit, so Sprecher Jörg Zimmer, habe der Umzug aber gar nichts zu tun.

Quelle: RP
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