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Klingelbeutel
Spenden heißt Gerechtigkeit

Moers. Haben Sie es auch gelesen? Im Jahr 2015 haben die Deutschen so viel gespendet wie nie zuvor. Acht Prozent mehr als 2014, insgesamt etwa sieben Milliarden Euro. Gut so! Der Begriff "Spenden" bezeichnet, so lese ich im Lexikon, "etwas abgeben, um anderen zu helfen" oder auch "jemandem etwas zuteilwerden lassen". Aus meiner Güte oder Barmherzigkeit heraus gebe ich ab. Auch der ältere Begriff "Almosen" bedeutet "Mitleid" oder "Mildtätigkeit", und meint, eine materielle Gabe einem bedürftigen Empfänger zu geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Von Martje Mechels

Wissen Sie, was Spende auf Hebräisch heißt? Zedaqa, auf Deutsch: Gerechtigkeit. Wenn wir Spende so verstehen, dann meint Spenden nicht, etwas gönnerhaft zuteilwerden zu lassen oder aus Mitleid etwas abzugeben. Sondern eine Spende zu geben heißt dann, ein Stück Gerechtigkeit zu verwirklichen. Der Geber handelt bei einer Spende nicht aus Großmut, er stellt sich nicht über den Empfangenden, sondern er wirkt mit an der Gerechtigkeit in der Welt. Und der Empfangende steht nicht unterhalb des Gebenden, ist diesem nicht zu ewigem Dank verpflichtet, sondern er erfährt das Recht, das ihm zusteht.

Mir gefällt es, Spende als Gerechtigkeit zu verstehen. Zugleich frage ich mich: So ein großes Wort für meine kleine Gabe, die doch oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist? Doch, auch die kleine Spende ist Zedaqa - Gerechtigkeit. Denn zum einen kommt aus den vielen kleinen Einzelspenden doch eine faszinierende Summe zusammen, oder? Zum anderen zeigt sich hier, dass Gerechtigkeit nicht nur das große Ganze ist, nicht nur die Vollendung. In jeder Spende verbindet sich die kleine einzelne Tat der Gerechtigkeit mit der großen Vision von einer gerechten Welt, wie sie nach Gottes Willen sein soll.

Wir alle können unseren Teil zur Gerechtigkeit beitragen. Es stünde uns gut an, wenn dies 2016 mindestens genauso viel geschieht wie im vergangenen Jahr.

Quelle: RP
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