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Moers
Sport hilft Flüchtlingen, Fuß zu fassen

Moers: Sport hilft Flüchtlingen, Fuß zu fassen
Cihad Karabulut (rechts) mit Hayat Ketfi, Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit und (von links) Jumaa Faro, Ahmed Morad, Mohammed Altahl und Osama Ibrahim, der den Wanderpokal des TV Asberg präsentiert. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Cihad Karabulut, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Bunten Tisches, hat eine internationale Fußballmannschaft gegründet. Trainieren dürfen die Gäste auf dem Gelände des TV Asberg. Dessen Vorsitzender ist voll des Lobs für das Projekt. Von Josef Pogorzalek

Einmal in der Woche kicken sich Jumaa, Ahmed, Osama und die anderen den Kopf frei. Sie sind Flüchtlinge, kommen aus Syrien, dem Irak oder Libyen und versuchen jetzt, in Deutschland Fuß zu fassen. Das Training auf dem Gelände des TV Asberg hilft ihnen dabei - und ist dazu ein Riesenspaß. "Wenn wir spielen, vergessen wir unsere Probleme", sagt Jumaa (16). Er ist der Jüngste in dem Team, das Cihad Karabulut, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Bunten Tisch Moers, zusammengewürfelt hat.

Karabulut ist 23 und Moerser mit kurdischen Wurzeln. Bei einem Aufenthalt in Istanbul ist er auf das Flüchtlingselend aufmerksam geworden. Organisierte Kriminalität und Kinderarbeit bestärkten ihn im Entschluss: "Ich möchte etwas tun." Zurück in Moers, nahm sich Karabulut zunächst in Eigeninitiative einiger Flüchtlingsfamilien an, dann stieß er zum Bunten Tisch, wo er Sprechstunden gab und dank seiner kurdischen und türkischen Sprachkenntnisse als Übersetzer aushelfen konnte. Irgendwann hatte er die Idee, ein Fußballteam zu gründen. "Ich dachte, wie kann ich die Jungs beschäftigen. Beim Sport kommt man auf andere Gedanken."

Jumaa sieht das genauso. Vor ein paar Monaten hat er sich zusammen mit einem Cousin von Syrien über den Balkan bis Deutschland durchgeschlagen. "Wir sind vor dem Krieg geflüchtet", sagt der Teenager. Die Familie hat er zurückgelassen, ab und zu telefoniert er mit seinen Angehörigen. "Ständig muss ich daran denken, wie es ihnen geht." Auf dem Fußballplatz kann er einfach mal abschalten. Es sei nicht leicht gewesen, einen Verein zu finden, der einen Platz zur Verfügung stellt, sagt Karabulut. "Das Problem ist, dass der Verein die Versicherung übernehmen muss." Vera Breuer vom Fachdienst Jugend vermittelte den Kontakt zum TV Asberg. Mit dessen Vorsitzenden Frank Eichholz kam Karabulut sofort gut klar. Der Zufall wollte, dass sich die beiden kannten - Eichholz hatte früher die Jugend des GSV Moers trainiert, in der Karabulut gespielt hatte. Der TV Asberg ließ sich beraten und schloss eine Zusatzversicherung ab, die für alle Gäste gilt.

Die 300 Euro pro Jahr seien gut angelegt. "Eigentlich müsste jeder Verein so eine Versicherung haben."

Jeden Montagnachmittag kickt das Team des Bunten Tisches auf der Vereinsanlage. Mittlerweile sind 20 Spieler im Alter von 16 bis 35 Jahren dabei. Eiserne Regel: Geredet wird möglichst deutsch. "Wenn es gar nicht mehr weiter geht, verständigen wir uns mit Händen und Füßen. In der Bundesliga spielen ja auch Leute, die nicht deutsch sprechen", sagt Karabulut.

Er hat weitere Regeln aufgestellt: Es wird nicht geraucht, nicht geflucht, nicht beleidigt. Und wer nicht pünktlich zum Training kommt, hat Pech. "Wir wollen Vorbilder sein", sagt der 23-Jährige. Schließlich trainierten auf dem Platz nebenan Kinder- und Jugendmannschaften.

Der Bunte Tisch hat der internationalen Mannschaft eigene Trikots spendiert. Erste sportliche Erfolge kann sie auch vorweisen: Überraschend gewann sie den Wanderpokal des TV Asberg. Und am vergangenen Wochenende siegte sie bei einem Turnier der Grafschafter Diakonie. Jetzt wird darüber nachgedacht, die Kicker des Bunten Tisches zu einer offiziellen Vereinmannschaft des TV Asberg zu machen. "Dann könnten wir in der Kreisliga antreten", freut sich Karabulut.

Die Flüchtlinge müssten allerdings Mitglieder des Vereins werden und entsprechende Beiträge leisten. Ob das in jedem Fall über die Flüchtlingshilfe finanziert werden kann, ist unklar, aber Frank Eichholz ist zuversichtlich: "Das kriegen wir hin." Er ist von den Jungs rund um Karabulut begeistert. "Sie wollen bei uns nicht schnorren, sondern sich integrieren und Freunde finden. Das klappt im Verein sehr gut."

Quelle: RP
 
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