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Lokalsport
125 Jahre Reit- und Fahrverein Rheurdt

Lokalsport: 125 Jahre Reit- und Fahrverein Rheurdt
2013 beim Rheurdter Fahrturnier für Ein- und Zweispänner: Herbert Troost hatte Aarts Amigo Star eingespannt und raste durch den Parcours. FOTO: Markus Joosten
Rheurdt. Der Reit- und Fahrverein Rheurdt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und feiert jetzt gebührend sein Jubiläum. Von Uwe Zak

Als vor 125 Jahren der Reit- und Fahrverein (RuFV) Rheurdt gegründet wurde, geschah das aus "Liebe zum Pferd und dessen vielseitigen Einsatz, sei es das Reiten oder die Arbeit auf dem Feld". So jedenfalls steht es mangels erster Vereinssatzung in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins vor 25 Jahren. Machen wir uns nichts vor: 1892 konnte es tatsächlich passieren, dass der "Galopper des Jahres" unter der Woche auch noch vor den Pflug gespannt wurde.

Zumindest wenn das edle Tier vom Niederrhein kam. Aber weniger geliebt wurden diese Pferde deshalb nicht. Im Gegenteil. Nicht umsonst wurde der RuFV Rheurdt gegründet und hat alle Wirren und Irren der vergangenen 125 Jahre überdauert. Grund genug, dieses eher seltene Jubiläums eines Sportvereins gebührend zu feiern.

Erfolgreiche Jugend: Der Rheurdter Nachwuchs 2015 beim Kreisvierkampf mit der Vereinsstandarte, die zum Jubiläum restauriert wird. FOTO: Verein

Als allerdings der RuFV Rheurdt damals von Pferdeliebhabern wie Heinrich Kuypers und Johann Kleinwegen mit getreuen Freunden aus der Taufe gehoben wurde, ging es den Rheurdter Pferdesportler eher um den Rennsport, als ums Spring- und Dressurreiten.

Kuypers übernahm übrigens auch den ersten Vereinsvorsitz. Und der blieb viele Jahre quasi eine Familienangelegenheit. So folgten mit Unterbrechungen einiger Vereinsvorsitzender, die nicht aus dem Hause Kuypers kamen, Heinrichs Sohn Karl und schließlich auch Enkel Ernst-Willi Kuypers auf dem ehrenamtlichen RuFV-Chefposten. "Ernst-Willi kenn ich noch als Vorsitzenden", schmunzelt dann auch Petra Tißen. Sie leitet seit 2012 die Geschicke des Vereins. Natürlich kennt sie ihn noch als Vorsitzenden. Denn bereits 1992 war Petra Tißen im Vorstand aktiv. Anfangs als Schriftführerin.

Mit Ludger Greis, der als Sozialwart und Fahrerobmann mit ihr zusammen neu ins Gremium kam. Beide sind nun dienstälteste Vorstandsmitglieder. Wobei der eigene Nachwuchs bereits nachgerückt ist. Wie gesagt: Der RuFV Rheurdt ist im weiteren Sinne eben ein Familienverein. So verwundert es auch nicht, dass Klaus Tißen, Ehemann von Petra, Vorsitzender der Rheurdter Vereinsgemeinschaft und amtierender Schützenkaiser ist, und kräftig beim Jubiläumsspektakel mithilft.

Derzeit bekommt der Reitplatz neben den Stallungen mit Richterhaus an der Kirchstraße, unmittelbar hinter der Wohnbebauung, eine neue Beregnungsanlage. Dafür sind wieder einige Vereinsmitglieder mit der Schüppe unterwegs. "Am 1. Mai muss alles fertig sein", erklärt Andrea Greis, Sprecherin des Vereins und Tochter von Ludger Greis. An dem Feiertag steht nämlich das eigene regionale Reit- und Fahrturnier auf dem Programm.

290 Mitglieder hat der RuFV Rheurdt, der besonders auf seine Jugendabteilung stolz ist. Und darauf, auch ein echter Fahrverein zu sein. Denn das war nicht durchgängig in den 125 Jahren so. Doch die Rheurdter wollten nicht nur den 1892 festgelegten Vereinsnamen behalten, sondern auch als Reit- und Fahrverein durch die Geschichte der Gemeinde gehen. Kurzum: Kutschen gehören seit Ende der 1970er-Jahre wieder zum Vereinsleben. Wobei neben den Fahren, dem Dressur- und Springreiten nun auch das Voltigieren einen festen Platz beim RuFV hat. Für diejenigen, die gerne hoch zu Ross turnen, hat der Verein ein eigenes Pferd angeschafft. Und in der Vielseitigkeit macht der Verein gemeinsame Sache mit der Interessengemeinschaft Vielseitigkeit (IGV) Kreis Kleve.

Über Ostern kommt auch wieder Daniel Würgler aus der Schweiz zum RuFV Rheurdt. Der Fahrlehrer für Kutschen hat die Schweiz zwischen 1994 und 2012 bei jeder Weltmeisterschaft im internationalen Vierspänner-Wettkampf vertreten und ist eine Art Stammgast in Rheurdt. Für Pferde- und Kutschfreunde sicherlich Grund genug, über die Feiertage dort mal einen Blick zu riskieren.

Ansonsten startet der Verein mit den Festlichkeiten zum Jubiläum am geschichtsträchtigen Samstag, 17. Juni, in Rheurdt. Geschichtsträchtig nicht nur deshalb, weil der Termin ab 1953 nach dem Volksaufstand in der damaligen DDR der "Tag der deutschen Einheit" wurde - der schließlich mit der "echten" deutschen Einheit dann auf den 3. Oktober verlegt werden musste -, sondern auch, weil Hans Günter Winkler nur drei Jahre später trotz eines Muskelrisses seiner "Wunderstute" Halla den Wettkampf im Springreiten bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm gewann. So schließt sich folglich der Kreis im Pferdesport.

Am Samstag, 17. Juni 2017, werden nun aber 250 geladene Gäste aus Sport und Politik ab 18 Uhr im Festzelt auf dem Vereinsgelände erwartet. Zum Festakt mit Bühnenprogramm, über das noch nichts verraten werden darf, und was die vereinseigene Jugendabteilung gestaltet, werden Grußworte befreundeter Vereine und Honoratioren erwartet. Bis höchstens 20 Uhr. Denn dann steigt die große Jubiläumsparty für alle, mit Livemusik von Sackers & Band, die die Top 40 von gestern und heute drauf haben.

Am Wochenende darauf, dem 24. und 25. Juni, steht dann aber noch das Jubiläumsturnier auf dem Programm, zu dem bereits 1300 Nennungen vorliegen. Kurzum: Beim RuFV Rheurdt müssen alle kräftig in die Hände spucken, um das Jubiläumsjahr zu meistern. Doch durch die Verzahnung mit der Vereinsgemeinschaft Rheurdt, und dass Klaus Tißen beim Reitverein gleichzeitig Leiter der Jubiläums-Organisationsmannschaft ist, wird auch schnell deutlich, dass der RuFV Rheurdt ins Gemeindeleben eingebunden ist.

Die Pferdesportler sind regelmäßig beim Karnevalszug dabei, genau wie beim traditionellen Rheurdter Festumzug zu Pfingsten, sie veranstalten selber eben das Turnier am 1. Mai und am 3. Oktober lädt der RuFV seit vielen Jahren zum Orientierungsritt, der früher allerdings noch ein zweitägiges Abenteuer für Groß und Klein war.

Damals wurden die Pferde auch noch für die Feldarbeit benötigt, waren unter anderem nicht so "spezialisiert", wie es heute oft der Fall ist. Sicher ist aber, dass diese Ausritte viel Spaß gemacht haben. Doch den werden die Rheurdter allerdings auch bei ihrem Jubiläum haben.

Quelle: RP
 
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