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Moers
Stadt und Enni: Streit um totes Kaninchen beigelegt

Moers. Durch den Wechsel von 21 Stadtbediensteten zur Enni müssen nach und nach Zuständigkeiten neu abgesteckt werden. Von Jürgen Stock

Drei Tage lang lag das tote Kaninchen auf dem Gehweg an der Kantstraße und tat das, was tote Kaninchen nun eben so tun: Es gammelte vor sich hin, ohne dass sich jemand bemüßigt fühlte, den Kadaver wegzuschaffen. Schließlich wurde es einer Anwohnerin zu bunt. Sie griff zum Telefon und informierte das Ordnungsamt. Doch bei der Stadt wollte niemand etwas mit dem Kaninchen zu tun haben. Eine Mitarbeiterin beschied der Anruferin, dass dies Sache der Enni sei. Also rief die Anwohnerin die Enni an. Doch da bekam sie die Auskunft, dass dies keine Sache der Enni sei. Die Bürgerin möge sich bitte an die Stadt wenden. Ein Stück aus dem Tollhaus, das erst beendet wurde, als Enni-Geschäftsführer Lutz Hormes Wind von der Sache bekam und verfügte, dass ein Entsorgungstrupp des Unternehmens sich des toten Tieres annehmen möge. Dennoch nahm er seine Mitarbeiterin in Schutz: Nach Auffassung der Enni sei die Beseitigung des toten Kaninchens tatsächlich Aufgabe der Ordnungsbehörden. Zumindest müssten Stadt und Enni sich aber einmal über die Angelegenheit unterhalten, damit die offenen Kompetenzfragen geklärt werden.

Für die Verwaltung hingegen gibt es keine offenen Fragen. "Die Verkehrssicherheitspflicht auf Straßen liegt eindeutig bei der Enni", sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. "Richtig", antwortet Hormes. "Da, wo eine Unfallgefahr ist, handeln wir auch." Ob eine solche Gefahr von einem Kaninchen ausgeht, mag aber je nach Betrachter anders beantwortet werden. Noch komplizierter wird es, wenn man das Tier unter seuchenhygienischen Gesichtspunkten betrachtet. In diesem Falle wäre zur Vermeidung gesundheitlicher Gefahren wieder die Stadt am Zuge. "Wir haben aber kein eigenes Personal, das wir losschicken können. Das ist komplett zur Enni gegangen", sagt Schröder.

Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Gezerre um ein totes Kaninchen eine Auseinandersetzung, in der es um sehr viel Grundsätzlicheres geht. Mit dem Wechsel des Technischen Beigeordneten Hormes sowie 21 städtischen Mitarbeitern des Tiefbauamtes zur Enni sind auch die entsprechenden Aufgaben dem Unternehmen übertragen worden. Einige davon werden durch ein Pauschalbudget abgedeckt, andere wiederum werden einzeln abgerechnet. So muss die Enni etwa beschädigte Straßenschilder ohne zusätzliche Berechnung ersetzen, fordert die Stadt aber ein zusätzliches Schild an, muss sie das extra bezahlen.

Die städtischen Straßen etwa gehören weiterhin der Kommune, die dafür auch die Planungshoheit hat. Instandhaltung und Durchführung der Arbeiten ist aber Sache der Enni. "Hier sind noch nicht alle Schnittstellen klar definiert worden", sagte Hormes noch vor kurzem. Das aber hat sich jetzt geändert.

Nach dem Gezerre um das tote Kaninchen setzten sich Vertreter der Stadt und der Enni zusammen und kamen zu einem salomonischen Kompromiss: Die Enni entsorgt das tote Getier, die Stadt zahlt dafür eine Aufwandspauschale.

Quelle: RP
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