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Moers
Stadtführer zeigen historisches Moers

Moers: Stadtführer zeigen historisches Moers
Der neue Stadtrundgang "Moers in bester Gesellschaft" mit Anne Fusenig (Mitte) und Dr. Reinhard Fusenig (rechts), hier an der Haagstraße am ehemaligen Lehrerseminar, heute Caritas. FOTO: Klaus Dieker
Moers. "Moers in bester Gesellschaft" lautet der Titel eines neuen kulturgesellschaftlichen Stadtrundgangs. Dr. Reinhard und Anne-Rose Fusenig entführten gestern in die Zeit um 1900 und gab Einblicke in eine fast vergessene Zeit. Von Sabine Hannemann

"Treffpunkt Schloss" hieß es gestern für diejenigen, die Moers aus anderen historischen Perspektiven kennenlernen wollten. Oben vor dem Eingang steht Hedwig Wintgens, die letzte Bewohnerin des Moerser Schlosses, und schaut erstaunt auf die versammelte Menschenmenge. "Was ist denn hier los", fragt sie. Bekleidet ist sie mit einem langen dunkelblauen Kostüm in elegantem Faltenwurf, das mit weiß-gelben Bordüren verziert ist. Sonnenhut und Sonnenschirm gehören mit ins Outfit. Hedwig Wintgens ist keine andere als Stadtführerin Anne-Rose Fusenig, die in die Rolle der Moerser Webereifabrikantin geschlüpft ist. "Wir haben uns lange auf diesen Stadtrundgang vorbereitet", sagt sie.

Zeitgenössische Literatur und weitere Beschreibungen aus der Zeit um 1900 hat sie studiert, sich dabei zu ihrem Outfit inspirieren lassen und den damaligen Zeitgeist nachempfunden. Als dann in der Rolle von Altbürgermeister Gustav Kautz, im Amt von 1864 bis 1897, ihr Mann, Dr. Reinhard Fusenig, wie zufällig auch vor dem Schloss auftaucht, geht die Zeitreise los. "Ich war damals einer von 27 Bewerbern für das Amt", berichtet er. In der Todesanzeige von Kautz wird später stehen, dass er mit Leichtigkeit sein Amt führte und ein vorausschauender Kommunalpolitiker war. "Wir verlieren einen rechten Vater der Stadt" heißt es in der Todesanzeige, die Frau Wintgens dazu verliest. Zwei Stunden dauert der Stadtrundgang, der mehr den kulturgesellschaftlichen Aspekt verfolgt von Moers. "Wir wollen von Persönlichkeiten, die Moers geprägt und nach vorne gebracht haben, berichten und auf ihre Spuren aufmerksam machen", sagt Anne-Rose Fusenig. Altbürgermeister Kautz war einer derjenigen, der für den Eisenbahnanschluss sorgte, Gas und Strom brachte und mit der Gewerbebank verhandelte. "Er hat Moers aus dem Dornröschenschlaf geholt", so Reinhard Fusenig zur Person Kautz. Die Rolle der Hedwig Wintgens scheint dank akribischer Vorbereitung Anne-Rose Fusenig ebenfalls wie auf den den Leib geschneidert zu sein. Sie erzählt, dass die Baumwollfabrik der Familie Wintgens auf der Fläche des heutigen Musenhofes gestanden hat.

Kennengelernt hat sie ihren Mann Carl im Schloss, wo sie als Gesellschafterin bei der Familie Wintgens zunächst arbeitete. Vier lange Jahre waren sie verlobt, bis sie endlich heiraten durften. Nach der Insolvenz der Fabrik lebte das Paar in Berlin. "Aber ich hatte so Heimweh nach Moers, nach der grünen Lunge, dem Park", erzählt sie. Durch die Innenstadt führen die Beiden ihr Publikum, machen Halt an markanten Stellen, lassen die Geschichte des Lehrerseminars lebendig werden, erinnern an Diesterweg und sein pädagogisches Werk. Der Weg führt vorbei am Peschkenhaus, der Blick zum Gambrinus-Bräu, heute Café Mehrhoff, wird empfohlen. Einer der nächsten Stopps ist der hintere Rathausteil und die Geschichte der Festungsanlage. "Wir feiern in drei Jahren das 400-jährige Bestehen. Aber keiner hat sich Gedanken gemacht, wie dieses einzigartige Ereignis zu feiern ist", mahnen die beiden Stadtführer an. Nach vielen Geschichten, humorvollen Plaudereien und jeder Menge Wissenswertes nicht nur zur Zeit um 1900 endet die Reise mit Frau Wintgens und Altbürgermeister Kautz an der Nepix Kull. Am 15. Oktober heißt es wieder "Moers in bester Gesellschaft."

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Quelle: RP
 
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