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Lesung
Weihnachten bei den "Buddenbrooks"

Moers. Zu einer vorweihnachtlichen Matinee lud die "Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens" am Sonntag ins Peschkenhaus. Dort wurden nicht nur literarische Kostbarkeiten gereicht, sondern auch kulinarische während der Pause, passend zum ausgewählten sogenannten Weihnachtskapitel aus Thomas Manns weltberühmten Roman "Buddenbrooks. Verfall einer Familie". Rezitator der Texte war der Moerser Sprechkünstler Jörg Zimmer.

Bevor Zimmer mit seiner Lesung begann, hob er die Ähnlichkeit des Ambientes zwischen dem Moerser Peschkenhaus und dem Buddenbrookhaus in Lübeck hervor. Dieser Raum, sagte er sehr zur Freude von Hausherr und Veranstalter, sei einer der schönsten Leseorte in Moers. Zudem wolle er mit seinem Beitrag in Anspielung auf den Fördergedanken der "Moerser Gesellschaft" das Publikum dazu ermutigen, doch einmal den ganzen Roman zu lesen. Doch bevor er endgültig die Weihnachtsgeschichte in Teil acht, Kapitel acht des Familien-Romans aufschlug, gab Zimmer noch einen kurzen Überblick auf das bewegte Leben des Literaturnobelpreisträgers von 1929 und die historische Einordnung des 1901 entstandenen Werkes in die damalige Zeit.

Dazu nahm er Platz an einem beleuchteten Notenpult vor der kleinen Bühne, auf der ein Tisch mit einem dazugehörigen Stuhl stand. Zimmer stand lieber, was für seine kräftige Stimme und große Statur noch zusätzlich von Vorteil war. So erreichte seine sonore Stimme mühe- und makellos auch den letzten Publikumsplatz, egal ob er nun flüsterte oder lautstark den Knecht Ruprecht mimte oder mit norddeutschem Dialekt Onkel Christian etwas sagen ließ. Sein Sprechtempo und die gesetzten Text-Pausen waren angemessen, ebenso seine nur leicht dosierte Mimik und die eher zurückhaltenden Gesten.

So konnten sich die gut 40 anwesenden Besucher ein stimmungsvolles und unterhaltsames Bild von der Gesamtsituation bei den "Buddenbrooks" zu Weihnachten machen: Das dortige Weihnachtsfest verläuft nämlich im Großen und Ganzen recht idyllisch, auch wenn der Gerichtsprozess gegen Hugo Weinschenk die Stimmung im Haus etwas trübt. Doch Weihnachten bei den Buddenbrooks bedeutet auch immer üppige Kost, das traditionelle Vorlesen der Weihnachtsgeschichte, ein prachtvoll geschmücktes Haus und Berge von Geschenken für den kleinen Hanno. Dessen schönstes Geschenk ist diesmal ein richtiges Miniaturtheater, das das Schlussbild im letzten Akt der Oper "Fidelio" zeigt, die er einmal im Original gesehen hatte. Sei glücklich, du gutes Kind", gibt ihm Therese Weichbrodt, bei der die dritte Weihnachtsbescherung stattfindet, dabei mit auf den Weg. Diese Lesung war die letzte Veranstaltung der "Moerser Gesellschaft" in diesem Jahr. 2016 ist ein Jubiläumsjahr, dann feiert die Gesellschaft ihr 20-jähriges Bestehen.

Olaf Reifegerste

Quelle: RP
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