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Moers
Streitigkeiten unter Asylbewerbern halten Polizei in Atem

Moers. Polizeibeamte haben fünf Personen in Gewahrsam genommen und ein Messer und eine Eisenstange sichergestellt. Von Josef Pogorzalek

Streitigkeiten unter Asylbewerbern haben in der Nacht von Freitag auf Samstag die Polizei in Moers auf Trab gehalten. Beteiligt waren Gruppen, die in den Flüchtlingsunterkünften an der Ernst-Holla-Straße und der Römerstraße wohnen. Wie die Polizei gestern berichtete, hatte zunächst am Freitagabend ein Bewohner der Unterkunft Ernt-Holla-Straße Asylsuchende von der Römerstraße beschuldigt, ihn bedroht zu haben. Die Polizei erstattete daraufhin Anzeige.

In den nächsten Stunden eskalierten die Ereignisse. Kurz nach Mitternacht musste die Polizei zur Römerstraße ausrücken. Dort hatte jemand eine Fensterscheibe zertrümmert, auch Mobiliar soll beschädigt worden sein.

Zwei Stunden später wurde erneut die Polizei zu Hilfe gerufen, diesmal, weil es in der Unterkunft an der Ernst-Holla-Straße zu einer Schlägerei gekommen war. Drei an der Römerstraße wohnende Zuwanderer hatten unter anderem einem 25-jährigen Pakistaner eine oberflächliche Schnittverletzung an einem Arm zugefügt. Rettungskräfte der Feuerwehr behandelten die Wunde. Noch während der Fahndung nach den drei Flüchtigen alarmierten gegen 3.40 Uhr Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes die Polizei und teilten mit, dass sich eine fünfköpfige Gruppe von der Ernst-Holla-Straße zum Asylheim an der Römerstraße aufgemacht hätte. Die Polizei griff diese Gruppe an der Marienburger Straße auf, nahm die Männer in Gewahrsam. Es handelt sich um einen 25-jährigen, dessen Herkunftsland derzeit unbekannt ist, einen 20-jährigen Afghanen, einen 21-jährigen Iraker, einen 26-jährigen Syrer sowie einen 19-jährigen Marokkaner. Bei der Durchsuchung der Personen fanden die Beamten bei dem 25-Jährigen eine Eisenstange und ein Küchenmesser.

Nun versucht die Polizei, die Hintergründe der Streitigkeiten zu klären. Dolmetscher sind im Einsatz, denn die Beteiligten sprechen kaum Deutsch. Die Ermittler haben Kontakt zur Stadt und zur Bezirksregierung aufgenommen, sagte gestern Polizei-Pressesprecher Josef Wißen. Man versuche, die Möglichkeiten abzuklopfen, die Streithähne räumlich voneinander zu trennen. Die Bezirksregierung ist für die Zuweisung von Flüchtlingen an die Städte verantwortlich, die Stadt für die Verteilung auf örtliche Unterkünfte.

Wißen betonte gestern, dass es aus Sicht der Polizei im großen Ganzen kaum Probleme in Flüchtlingsunterkünften gebe. Polizeibeamte suchten im Rahmen des Streifendienstes regelmäßig Unterkünfte auf, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Streitigkeiten kämen zwar vor, die Zahlen seien aber verschwindend gering - erst recht, wenn man die räumliche Enge bedenke, auf denen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Sprache in Flüchtlingsunterkünften leben. "Streit gibt es auch unter Deutschen", sagte Wißen. Dennoch nehme die Polizei die Vorfälle in Moers ernst. "Im ganzen Kreis dulden wir keine Übergriffe", erklärte der Polizei-Pressesprecher.

Aufgrund der Vorkommnisse hatte die Stadt am Wochenende den Sicherheitsdienst in der Unterkunft Ernst-Holla-Straße auf vier Personen verdoppelt. Die Ereignisse seien nicht vorhersehbar gewesen, sagte gestern Stadtsprecher Klaus Janczyk.

Vor dem Hintergrund der gesunkenen Flüchtlingszahlen wolle man die Belegung der Unterkünfte nun "entzerren" und stärker darauf achten, wer mit wem zusammenwohne. Derzeit leben 1112 Asylbewerber in Moers, rund 900 weitere Personen haben bereits eine Aufenthaltserlaubnis oder werden geduldet.

Quelle: RP
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