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Moers
Syrer erhalten neue Passbilder

Moers: Syrer erhalten neue Passbilder
Junge Syrer haben jetzt professionelle Passfotos machen lassen. Sie brauchen sie für ihre Unterlagen. FOTO: Barth
Moers. Beim Moerser Fotostudio Barth bekamen junge Flüchtlinge professionelle Fotos, die sie für ihre Unterlagen benötigen. Ratsfrau Gabriele Kaenders managte die Aktion, Fotograf Martin Barth machte die Bilder. Von Sabine Hannemann

Sichtlich stolz sind die jungen Männer, als sie im Moerser Fotostudio Barth auf ihre gerade gemachten Passbilder sehen. Ein unerlässliches Utensil für ihre Dokumente, mit denen sie sich bei Behördengängen und sonstigen Anlaufstellen nun in gewünschter Weise ausweisen können. Dabei war es eher der Zufall, der das Drehbuch geschrieben hat.

Schon seit Wochen sind die vier syrischen Christen in der Grafenstadt. Alle sind unter 30 Jahre, haben Berufe wie Goldschmied, Krankenpfleger oder das IT- und Maschinenbau-Studium in der Heimat aufgegeben, um sich auf eine wochenlange Flucht ins Ungewisse zu machen.

Ihre Wege führten über Routen wie Marokko, Türkei, Bulgarien oder Ungarn. Als Gabriele Kaenders, Fraktionschefin Die Linke im Moerser Rat, einen Berlinbesuch machte, erfuhr sie über Bundestagsabgeordnete vom Schicksal der jungen Männer. Für sie stand fest, zu helfen.

Wieder zurück in Moers, machte sie sich umgehend an die Arbeit. Eine wesentliche Rolle spielt der Dr. Emad Almasri. Den 28-jährigen Herzchirurgen hat es seit September nach Moers verschlagen. Über die Akademie Bethanien sucht der Syrer die berufliche Weiterbildung, den Deutschkurs hat er ebenfalls absolviert. Wesentliche Unterstützung bekam er ebenfalls über Gabriele Kaenders.

Dank ihrer Hilfe gelang die Orientierung in einer noch völlig unbekannten Welt. "She's an angel", sagt er leise, "sie ist ein Engel". Gabriele Kaenders hat ihr Netzwerk und ihre Kontakte genutzt, "um einfach anderen Menschen zu helfen", erklärt sie knapp. Über Almasri gelingt die Kontaktaufnahme zu den jungen Flüchtlingen, der sprachliche Hürden zu meistern hilft.

Den nächsten Baustein in dieser Geschichte liefert der Fotograf Martin Barth. Der 38-Jährige wiederum nimmt vor Wochen Kontakt zum CDU-Fraktionsvorsitzenden Ingo Brohl auf, bietet seine Hilfe an. "Bei uns in Moers ging es ja gerade erst los. Ich wollte einfach meinen Teil leisten und habe überlegt, wie ich helfen kann. In dieser Situation organisiert zu helfen, ist alles andere als einfach. Jetzt wurde meine Hilfe gebraucht, nicht nur weil Weihnachten vor der Tür steht", sagt Barth.

Wieder sind es die Strippenzieher wie Kaenders und Brohl im Hintergrund, die Schritt für Schritt planen. Kaenders macht mit den jungen Männern verschiedene Amtsgänge, hilft beim Ausfüllen von Anträgen. "Die Amtssprache ist Deutsch. Ich habe über manche der Fragen in den Formularen selber lange nachdenken müssen", erzählt sie. Im Vorfeld hat sie sich um Vollmachten der Syrer gekümmert, ist Ansprechpartnerin, damit auch alles seine Richtigkeit hat und Hilfe dort ankommt, wo sie gewünscht ist.

Ihre Motivation? Zu wissen, dass es einfache Dinge sind, mit denen sie anderen Menschen helfen kann. Die Hilfsangebote in Kooperation mit anderen, in diesem Fall mit Ingo Brohl und Martin Barth, zu einem Ganzen zusammenzuführen, zu koordinieren, gibt Mut, sich zu engagieren.

Als "Engel" bezeichnet zu werden, macht sie ein Stück weit verlegen. "Wir helfen nur", winkt sie ab. "Es macht einfach Spaß. Wir werden reich beschenkt. Uns wird große Dankbarkeit entgegengebracht. "

Quelle: RP
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