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Serie Hochschule Rhein-Waal
Technik unterstützt Menschen mit Handicap im Alltag

Serie Hochschule Rhein-Waal: Technik unterstützt Menschen mit Handicap im Alltag
Prof. Christian Ressel arbeitet derzeit an einem Projekt für Menschen mit Demenz, das die pflegenden Angehörigen entlasten soll. FOTO: Klaus dieker
Moers. Prof. Dr. Christian Ressel von der Hochschule Rhein-Waal entwickelt mit seinen studentischen Teams in Kamp-Lintfort Systeme für Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Von Sabine Hannemann

KAMP-LINTFORT Barrierefreiheit ist in der Gesellschaft längst angekommen und bedeutet für Menschen mit Handicaps Zugang und Nutzung von gestalteten Lebensbereichen. Die Entwicklung von "assistiven" Technologien, damit Menschen mit Beeinträchtigung ihren Lebensalltag einfacher bewältigen können, gehört zu den Forschungsbereichen von Prof. Dr. Christian Ressel. "Ich bin Techniker - mich interessieren vor allem technische Lösungen", sagt er.

Mit seinen Studenten entwickelt der Ingenieur in der Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal gemeinsam mit Prof. Dr. Ido Iurgel für diesen Personenkreis ganz unterschiedliche Hilfsmittel. "Derzeit arbeiten wir am 'OurPuppet'-Projekt, das für Menschen mit Demenz entwickelt wird und zur Entlastung der pflegenden Angehörigen beitragen soll", sagt Projektleiter Ressel. Verschiedene Alltagssituationen werden mit den Angehörigen erfasst, die Puppe entsprechend mit Sensoren und Aktoren ausgestattet.

"Je nach Situation singt die Puppe, beruhigt in Stressmomenten oder erinnert daran zu trinken. Die verschiedenen Szenarien erarbeiten wir mit betroffenen Familien", beschreibt Ressel die Fähigkeiten der Puppe. Dass Stofftiere in der Pflege einen hohen emotionalen Wert besitzen, ist lange bekannt. Die Puppe knüpft zusätzlich an Kindheitserinnerungen an und ist mit ihrer Größe und der weichen stofflichen Gestaltung positiv besetzt.

"Mit einer Puppe gelingt sehr schnell der Zugang zu Menschen mit Demenz. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, die verschiedenen Module in einer Spezifikationsphase zu entwickeln und eine Handlungsplanung vorzulegen. Ziel ist, über die verschiedenen Szenarien Angehörige zu entlasten", sagt Ressel und weist auf soziale Komponenten wie Isolation und zunehmenden Verlust der sozialen Kontakte dieser Gruppe hin. Die Idee der therapeutischen Begleitung dementiell erkrankter Menschen an sich ist nicht neu, wie Kuschelrobbe Paro zeigt.

"Unser Projekt lebt vom Austausch mit den verschiedensten Forschungseinrichtungen und Kooperationspartnern", so Ressel. Unterstützt wird das Projekt vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Ähnlich spannend gestaltet sich das "Mobile"-Projekt, dass kognitiv beeinträchtigten Menschen mit einem Hilfsmittel die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel (ÖPNV) ermöglicht. Über eine Smartphonebasiertes Navigation und die virtuelle Begleitperson Lisa gelangen Menschen ohne Begleitung per Bus oder Bahn an das gewünschte Ziel.

"Wir haben hervorragende Ergebnisse in der Praxis", sagt Ressel. In einer Testphase in Bielefeld wurden eigentliche Handicaps zusammen mit Teilnehmern ermittelt. "Die Angst, sich alleine in der Öffentlichkeit zu bewegen, die Orientierung zu verlieren und dann Fremde fragen zu müssen, wurde zur eigentlichen Schwierigkeit", so Ressel. Der Einsatz von einfachen Symbolen und den Korrekturen von Lisa per Smartphone in der Praxisphase sorgten für eine gute Orientierung.

"Wir hoffen nun, dass dieses System übernommen wird. Technik kann Menschen mit Handicaps helfen und sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen", sagt Ressel. Gefördert wird das Projekt über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Der stets intensive Austausch mit Iurgel hat zu einem weiteren Projekt geführt. Ressel: "Der Lesespaß bei Grundschulkinder soll gefördert werden." Pedro Rebeiro, wissenschaftlicher Mitarbeiter, dokumentiert für seine Dissertation die Entwicklung von Systemen, die das Leseumfeld der Tablets mit Licht, Audio und auch Bildmaterial unterstützen.

Videotelefonieren ist Kern eines weiteren Projektes, das Menschen mit kognitiven Einschränkungen den Austausch mit anderen ermöglicht.

Quelle: RP
 
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