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Moers
Theater trifft Politik am Tresen

Moers: Theater trifft Politik am Tresen
Matthias Heße (2. von links) und Annika Stadler diskutierten unter anderem mit Gabriele Kaenders (links), Ibrahim Yetim, Christoph Fleischhauer und Elke Buttkereit (rechts). FOTO: Klaus Dieker
Moers. Das Schlosstheater-Ensemble war mit Politikern in der Röhre zum Thekengespräch verabredet. Es wurde ein launiger Abend mit ernstem Anliegen. Es ging um die Situation der Theater und die Arbeitbedingung von Schauspielern. Von Anja Katzke

Ibrahim Yetim sagte das unerwünschte Wort als Erster: sparen. Aber darüber wollte das Ensemble des Schlosstheaters am Dienstagabend in der Röhre nicht sprechen. Und so folgte die Strafe sofort: Der SPD-Landtagsabgeordnete musste ein Gläschen Schnaps kippen. So war es ausgemacht. Wenn Schauspieler zu einer Podiumsdiskussion, pardon einem Thekengespräch einladen, dann geht es in der Tat nicht trocken zu. Dabei war der Anlass ein ernster: Die fünf Schauspieler wollten mit den Moerser Abgeordneten ins Gespräch kommen - einmal nicht zwischen Tür und Angel.

Die Idee zu der eher ungewöhnlichen Tresen-Begegnung geht auf die neue Initiative "Ensemble Netzwerk" zurück, die sich als Interessengemeinschaft der darstellenden Künstler versteht: "40.000 Theatermacher treffen ihre Politiker" sollte die erste Aktion sein. Das Ensemble des Schlosstheaters nutzte diese Gelegenheit, um mit Politikern in Bund, Land und Kommune über die Bedeutung des Schlosstheaters für die Stadt, über den Alltag am Theater und die Arbeitsbedingungen von Schauspielern zu sprechen. "Wir müssen mal miteinander reden", sagte Dramaturgin Annika Stadler.

Das Moerser Ensemble hatte sich eine hochkarätige Runde in die Szenekneipe "Röhre" eingeladen: Bürgermeister Christoph Fleischhauer, SPD-Landtagsabgeordneter Ibrahim Yetim, Elke Buttkereit, SPD-Bundestagskandidatin, Ingo Brohl (CDU) und etliche weitere Mitglieder des Moerser Stadtrats. Und sie ließen sich auch unangenehme Fragen von Dramaturgin Annika Stadler und Schauspieler Matthias Heße stellen. So gab Christoph Fleischhauer zum Beispiel unumwunden zu, dass er "nicht so der Theatergänger" sei; dass in Moers die Kultur trotzdem eine große Rolle spiele. Und Ibrahim Yetim berichtete von seinem letzten Theaterbesuch: "The only thing that stops a bad guy with a gun is a good guy with a gun", hieß das Stück. Seine Kurzkritik lautete: "Es war laut." Das brachte Matthias Heße zu dem Schluss, dass politische Stücke in Moers immer am besten laufen. Er sollte am Ende des Abends eines Besseren belehrt werden. Denn sowohl Gabriele Kaenders (Linke) als auch Ingo Brohl (CDU) wünschten sich von ihrem Schlosstheater, dass auch mal andere Stücke gespielt würden. "Welche, die man auch verstehen kann", sagte Kaenders. "Es fehlt einfach der Gassenhauer", betonte Brohl. Beim Thekengespräch ging es ansonsten um alles - und zwar recht sprunghaft. Gerade diskutierte das Podium über die Bezahlung von Schauspielern, die an Theatern fest engagiert sind, dann ging es schon wieder um die finanzielle Ausstattung des Schlosstheaters. Beides ist nicht rosig. So erfuhren die Politiker - vermutlich erstmals -, dass das Einstiegsgehalt von jungen Schauspielern aktuell bei 1750 Euro brutto liegt. Überstunden werden nicht bezahlt, Kettenverträge seien die Regel. "Es handelt sich um sich jährlich verlängernde Verträge", erläuterte Dramaturgin Annika Stadler. Und Schauspieler Patrick Dollas fügte hinzu: "Man weiß nie, wie lange man an einem Haus beschäftigt ist."

Kritik übten die Schauspieler an ihrer Gewerkschaft, der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger (GdBA). "Ziel des neu gegründeten Ensemble-Netzwerks ist es auch, der GdBA ein bisschen einzufeuern", berichtete Matthias Heße. Dafür konnten sich die fünf Schauspieler am Dienstag aber einer breiten Zustimmung für das Moerser Schlosstheater gewiss sein.

"Wir haben das Schlosstheater in gutes Fahrwasser gestellt. Es besteht Konsens darin, dass es 1,3 bis 1,4 Millionen Euro im Jahr benötigt", erklärte Ingo Brohl. Und Bürgermeister Christoph Fleischhauer betonte: "Seien Sie sich gewiss: Die Politiker wissen um ihre berechtigte Interessenseinforderung." Ibrahim Yetim lobte die Arbeit: "Sie tun viel für die Atmosphäre in Moers." Und Elke Buttkereit, die von Neukirchen-Vluyn aus das Schlosstheater beobachtet und ihm eine deutliche Wahrnehmung in der Nachbarstadt attestierte, schlug vor: "Wir sollten in Kontakt bleiben."

Ach ja, das Schnapsglas wurde noch ein paar Mal gefüllt.

Quelle: RP
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