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Moers
Theo Hoffacker - Priester mit Leib und Seele

Moers. Der Mann hält sich fit: Fahrradfahren und Schwimmen, das gehört einfach dazu. Früher ist er auch gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder an der Adria gesegelt, bis vor ein paar Jahren fuhr er noch regelmäßig Ski in der Schweiz. Und Tennisspielen ist auch passé - "in meiner Altersklasse gibt's keine Gegner mehr", sagt der auch in Moers bekannte Pfarrer Theo Hoffacker. Gerade noch hat der gebürtige Büdericher in Marienbaum seinen 65. Weihetag gefeiert. Am Neujahrstag ist er 90 Jahre alt geworden. Von Heinz Kühnen

Das heißt, vielleicht war es auch der 31. Dezember. Vor 90 Jahren war der Deich gebrochen. Büderich stand unter Wasser. Sein Vater hatte sein Pferd, auf dem er losgeritten war, um die Hebamme zu holen, gerade noch in der höhergelegenen Kirche abstellen können. Danach war der Gärtnermeister in einem Schweinetrog nach Hause gepaddelt. Da waren Klein-Theo und sein Zwillingsbruder Norbert schon da. Großmutter hatte geholfen. Wie spät das war, wusste niemand, der Standesbeamte schrieb einfach mal den 1.1. auf. "Ein Glück", sagt der Priester heute, das habe ihm - bis auf gut ein Jahr - den früheren Einsatz im Krieg erspart. "Das hat allerdings auch gereicht", sagt Theo Hoffacker.

Ja, erzählen kann er gut, der Jubilar. Und er hat ja tatsächlich jede Menge zu berichten. Von den Tanten in Menzelen, die ihn in den ersten drei Jahren aufpäppelten, als der Arzt den" kleinen Mickerling" nach der Geburt schon aufgegeben hatte, von dem Wunsch Priester zu werden. Karl Leisner, war damals, als Hoffacker 16 Jahre alt war, Jungscharführer im Bistum Münster und sein Vorbild. Leisner, der Kämpfer gegen die Nationalsozialismus und an den Folgen seiner KZ-Haft gestorben, war zu Lebzeiten Mitglied der internationalen Schönstatt-Bewegung - benannt nach dem Marienwallfahrtsort in Vallendar am Rhein. Und wie der selig gesprochene Leisner ist auch Theo Hoffacker begeisterter "Schönstätter". Wenn er vom Schulungszentrum auf dem Oermter Berg redet, das er 16 Jahre lang geleitet hat, hält es ihn nicht auf dem Stuhl. Da holt er ein Bild von der Wand im Wohnzimmer: Die Gebäude von oben, fotografiert aus einer Cessna.

In Münster studierte er Theologie. Nach seiner Weihe kam Theo Hoffacker 1950 als Kaplan nach Duisburg-Neudorf, später nach Goch, wo er auch als Religionslehrer tätig war. Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihm zwölf Jahre in Vluyn, wo er - der erste katholische Pfarrer nach 400 Jahren - in einer Gemeinde von Bergleuten aus Deutschen, Polen, Ukrainern, Italienern und Ungarn nicht nur die St.-Antonius-Kirche, sondern auch die junge Gemeinde aufbauen konnte. In Straelen wurde Hoffacker Pastor und Dechant des Dekanats Geldern.

Und als der damalige Bischof Lettmann mitbekam, dass Hoffacker gut mit den Schützen konnte, trug der ihm 1996 das Amt des Diözesanpräses des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften an. Ein Gebiet, das sich von Wangerooge bis Kleve und Tönisberg erstreckt. 25.000 bis 30.000 Kilometer düste der damals eingefleischte VW-Fahrer Hoffacker pro Jahr von Bruderschaft zu Bruderschaft - 16 Jahre lang. Und wenn er Generalpräses Dr. Heiner Koch vertreten musste, ging's auch mal mit dem Zug oder dem Flugzeug bis hinab ins Saarland. Koch, gebürtiger Düsseldorfer und vor kurzem zum Erzbischof von Berlin geweiht, war denn auch an seiner Seite, als Hoffacker in der Marienbaumer Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt sein Priesterjubiläum beging.

"So richtig pensioniert bin ich bis heute nicht", sagt Theo Hoffacker, der natürlich am PC arbeitet: "Sonst würde ich die jungen Schützen nicht verstehen und die mich auch nicht."

Quelle: RP
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